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Fake News, Mythen, HeuschreckenLucky Luke gerät unter die Schwurbler

01.11.2026, 16:44 Uhr MarkusVon Markus Lippold
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Der Lukismus ist geboren. Ein geschäftstüchtiger Priester sieht ungeahnte Möglichkeiten, Lucky Luke ist eher ... sprachlos. (Foto: Lucky Comics ©2026 / Story House Egmont)

Die Prärie ist flach. Aber ist es auch die ganze Erde? Das behauptet zumindest ein alter Zausel - und bringt Lucky Luke aus der Fassung. Doch den Cowboy trifft es noch härter, als er zum Heiligen erklärt wird. Das neue Album "Heiliger Lucky!" spielt mit Bibelszenen und Verschwörungsmythen - und macht sehr viel Spaß.

Der Wilde Westen ist nicht arm an Sonderlingen: Revolverhelden und Falschspieler, Glücksritter und Goldgräber gibt es an jeder Ecke. Da muss man schon ein dickes Fell haben, um sich alltäglich mit ihnen abzuplagen. Lucky Luke hat sich dieses sprichwörtliche Fell zugelegt, in nunmehr 80 Jahren, in denen er die Prärie durchstreift. Und er hat so manchen Banditen zur Strecke gebracht.

Im Jubiläumsjahr trifft es den Cowboy, der schneller schießt als sein Schatten, allerdings knüppeldick. Nein, er hat keine altersgerechten Wehwehchen. Ganz im Gegenteil: er wird befördert - zum Heiligen. "Heiliger Lucky!", möchte man da ausrufen, und das ist auch der Titel des neuen Albums von Zeichner Achdé und Texter Jul, erschienen bei Story House Egmont.

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Muh? Da nehmen Ross und Reiter doch lieber Reißaus. (Foto: Lucky Comics ©2026 / Story House Egmont)

Der Band beginnt mit dem traditionellen Ende: Lucky Luke reitet in den Sonnenuntergang. Er wird allerdings von einem alten Zausel unterbrochen, der ihn vor dem nahen Abgrund warnt. Schließlich sei die Erde eine Scheibe, von der man fallen könne! Der Cowboy fasst es nicht und sucht das Weite. Doch im nächsten Westernstädtchen kommt er vom Regen in die Traufe. Weil er einen Priester vor Banditen rettet, will ihn dieser zur Kultfigur machen. Eine neue Religion ist geboren: der Lukismus.

Und der verbreitet sich dank des Telegrafennetzes in Windeseile. "Nicht zu fassen, wie viel Unsinn durchs Netz ins Haus kommt!", heißt es an einer Stelle. Dem "poor, lonesome cowboy" ist diese Verehrung nicht geheuer. Als dann aber auch noch eine Heuschreckenplage und eine Pockenepidemie - ausgelöst durch absichtlich infizierte Decken für Indigene - den Wilden Westen überziehen, ist das Chaos perfekt. Und Lucky Luke ahnt: Die Welt dreht am Rad. Wie kommt er da wieder raus?

Mit Bibel und Gewehr den Westen erobert

Die USA seien mit "Bible & Rifle" entstanden, also mit Bibel und Gewehr, erklärt Autor Jul bei der Buchpräsentation in der belgischen Botschaft in Berlin. "Wirtschaft und Geld sind die andere Grundlage der USA", fährt er fort. "Wenn beides verschmilzt, wird es gefährlich." Man ahnt schon, was er damit meint. Oder wen.

Jul muss es wissen. Vor einigen Jahren ist er durch den Wilden Westen gereist, um die Mythen aus den "Lucky Luke"-Alben aufzuspüren. Herausgekommen ist eine dreiteilige TV-Dokumentation. Doch Jul hat offensichtlich auch so einige Erfahrungen über den aktuellen Zustand der USA mitgebracht und in den vergangenen Bänden verarbeitet.

Im Vergleich zu den Klassikern von Lucky-Luke-Erfinder Morris und dessen langjährigem Texter René Goscinny sind die jüngsten Bände politischer und greifen auch aktuelle gesellschaftliche Themen auf. Da geht es mal um jüdische Siedler ("Das gelobte Land"), mal um Rassismus und Sklaverei in den Südstaaten ("Fackeln im Baumwollfeld") oder Vegetarismus und Tierschutz ("Rantanplans Arche"). In "Letzte Runde für die Daltons" tauchte dann auch noch ein Vorfahr von Donald Trump auf.

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Mit "Heiliger Lucky!" gehen Jul und Achdé diesen Weg konsequent weiter. Sie treten sogar nochmal aufs Gaspedal. Es wimmelt vor Anspielungen auf Verschwörungsmythen, die Corona-Pandemie, Bibelszenen und "Das Leben des Brian" von Monty Python. "Heiliger Lucky!" ist eine ungemein witzige Abrechnung mit Schwurblern, religiösen Fanatikern und Populisten. Dabei ist es irgendwie auch deprimierend, dass Menschen so viel Unsinn unhinterfragt hinnehmen. Die letzte Seite bringt die Weltlage auf den Punkt - und blickt in die Gegenwart. Einen solchen Schluss, so viel sei verraten, gab es in der Reihe noch nicht.

Gelungene Modernisierung

Das Künstler-Team zeigt sich dabei auf der Höhe seiner Kunst, ihm gelingt der beste "Lucky Luke"-Band der vergangenen Jahre. Mit 80 Jahren hat der Comicklassiker eine ordentliche Frischzellenkur erhalten. Dazu tragen nicht nur die Hommage-Bände bei, in denen andere Künstler Lucky Luke ungewöhnliche Abenteuer erleben lassen. Auch die Hauptreihe wurde modernisiert, ohne den Charme alter Bände vermissen zu lassen.

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Haben "Lucky Luke" modernisiert: Zeichner Achdé (l.) und Texter Jul. (Foto: Story House Egmont)

Das merkt man auch an der Titelfigur selbst: Jul legt Wert auf die Feststellung, dass er sie mit jedem Album weiterentwickeln wollte. Im letzten Band klagte Lucky Luke über Rückenschmerzen. In "Heiliger Lucky!" gesteht er eine Phobie, die ihn bis in die Träume verfolgt. Jul geht es darum, dem Cowboy Schwächen zuzugestehen - und zu zeigen, wie man sie überwinden kann. Denn wer braucht schon perfekte Vorbilder?

Am Ende allerdings, so viel sei verraten, erleben wir den Cowboy ratlos. Immerhin kann er sich aber auf einen alten Weggefährten verlassen: Jolly Jumper. Die beiden seien wie ein altes Ehepaar, erklärt Zeichne Achdé. Der ehemalige Autor René Goscinny habe dem Pferd so viel psychologische Tiefe gegeben, dass es zur Seele der Comics geworden sei.

Der Papst als erster Leser

Für Lucky Luke hat Jul zum 80. Geburtstag vor allem einen Wunsch: dass er keinen Haarausfall bekommt, wie der Autor mit einem Lachen und Blick auf das eigene Haupt erklärt. Und Achdé? Der wünscht dem Cowboy, dass er sein Gewicht hält.

Vielleicht gehen die Wünsche in Erfüllung. Zumindest genießt Lucky Luke nun auch höheren Beistand. Als Papst Leo XIV. kürzlich in Frankreich weilte, erhielt er von Jul ein exklusiv gedrucktes Vorabexemplar des Albums überreicht. Der Pontifex wurde sozusagen zum ersten Leser des neuen Albums. "Heiliger Lucky!" Wenn das kein gutes Zeichen ist.

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Der Papst bekommt von Jul eine exklusive Ausgabe von "Heiliger Lucky!" überreicht. (Foto: Kokopello)

Das Jubiläums-Jahr geht damit allerdings seinem Ende entgegen. Und es hat sich gelohnt: Nach den Hommage-Bänden "Dakota 1880" und "Die Grimm Brothers", von den Deutschen Flix und Reinhard Kleist, ist "Heiliger Lucky!" bereits das dritte Album in diesem Jahr. Die nächsten Hommage-Bände lassen nicht lange auf sich warten: Im Dezember erscheint "Der Mann der kam, sah und schneller zog als sein Schatten" und im März der mit Spannung erwartete dritte Band von Matthieu Bonhomme, "Der lange Marsch". Außerdem ist kürzlich das umfangreiche Interview- und Kunstbuch "WANTED - Ein Zeichner für Lucky Luke" über Achdé erschienen. Im Museum für Kommunikation in Berlin läuft derweil bis 28. März 2027 eine gelungene Lucky-Luke-Ausstellung mit zahlreichen Originalzeichnungen.

"Lucky Luke: Heiliger Lucky!" ist ab 3. November als Softcover im Zeitschriftenhandel und als Hardcover im Buchhandel erhältlich.

Quelle: ntv.de

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