Demos von Albanien bis PortugalFrankreichs Funke springt über - Krawalle in mehreren Ländern

Steigende Kosten, zu wenig Geld für Bildung: Der Grundgedanke der Proteste in Frankreich verbindet zahlreiche Menschen in Europa. In mehreren Städten wird nun demonstriert - und nicht nur in Deutschland kippt dabei die Stimmung. Ein Überblick.
Erneut sind in mehreren europäischen Ländern Menschen gegen steigende Lebenshaltungskosten und für bessere Bildung auf die Straße gegangen. Die Proteste etwa in Frankreich, der Schweiz, Österreich, Albanien und Portugal wurden von Ausschreitungen begleitet.
In Frankreich demonstrierten laut dem Innenministerium 320.000 Menschen, davon allein 70.000 in der Hauptstadt Paris. Am vergangenen Samstag hatte die Zahl demnach noch bei 410.000 gelegen. Organisatoren sprachen von rund einer halben Million Teilnehmenden. Die Demonstrationszüge in den Städten verliefen zunächst friedlich. Zum Ende des Tages kam es jedoch zu Zusammenstößen mit Sicherheitskräften.
Hunderte Festnahmen in Frankreich
In Städten wie Paris oder Marseille brannten Gegenstände auf den Straßen, Bilder aus Lyon oder Nantes zeigten dichte Tränengaswolken. 515 Brände seien bekämpft und 36 Geschäfte beschädigt worden, hieß es. Es habe drei Plünderungen gegeben. Die Behörden meldeten einschließlich der Halloween-Nacht 779 Festnahmen. In Paris wurde laut dem Innenminister ein Gendarm von Flammen erfasst, nachdem ein Molotowcocktail auf eine Absperrung geworfen worden war.
Für die nächste Woche kündigten französische Schüler- und Studierendenorganisationen, Gewerkschaften sowie die Gelbwesten-Bewegung an mehreren Tagen neue Aktionen an - etwa am Donnerstag, wo zum landesweiten Generalstreik aufgerufen ist.
Vermummte in der Schweiz
Auch in der Schweiz gab es gewalttätige Proteste. In Zürich versammelten sich nach Polizeiangaben Hundert zum Teil vermummte Demonstranten. Die Situation sei eskaliert, nachdem von den Demonstranten Container in Brand gesetzt und auch ein Auto angezündet worden sei, hieß es. "Die Einsatzkräfte wurden immer wieder massiv mit Pyrotechnik, Flaschen und Steinen angegriffen. Die Polizei setzte ihrerseits Wasserwerfer, Reizgas und Gummischrot gegen die Randalierer ein", teilten die Behörden mit. Später habe sich die Situation beruhigt.
Auch in Basel kam es zu Ausschreitungen. Dort waren laut Polizei rund 150 Menschen auf die Straße gegangen. Sie hätten Barrikaden angezündet.
Einzelne Zwischenfälle in Österreich
Im österreichischen Wien waren vorsorglich mehrere Hundert Polizeibeamte aufgeboten worden, um Ausschreitungen bei Versammlungen zu verhindern. Nach den Demonstrationen kam es jedoch zu vereinzelten Zwischenfällen. Die Beamten seien meist wegen missbräuchlicher Verwendung von Pyrotechnik eingeschritten, teilten die Behörden mit. Fünf Personen seien wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt oder wegen des Verdachts der Sachbeschädigung vorläufig festgenommen worden. Einer der Tatverdächtigen soll versucht haben, ein abgestelltes Polizeifahrzeug mit einer brennbaren Flüssigkeit zu beschädigen.
Krawalle in Portugal
Auch in Portugal kam es erneut zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei - insbesondere bei der Räumung von Protestlagern in den portugiesischen Städten Lissabon und Porto. In der Hauptstadt Lissabon seien sechs Menschen festgenommen worden und in Porto sieben, weil diese sich geweigert hätten, ihre Zelte zu verlassen, erklärte die Polizei. Insgesamt wurden demnach 13 Polizisten verletzt. Aktivisten sprachen von mehr als 30 verletzten Demonstranten.
Zu den Zusammenstößen kam es, als die Sicherheitskräfte gegen 4.30 Uhr Ortszeit mit Spürhunden in die Zeltlager in Lissabon und Porto eindrangen. Einige Bewohner warfen daraufhin Flaschen und Farbe auf die Einsatzkräfte und skandierten: "Es riecht nach Diktatur!" und "Wir sind friedlich!". Überdies bestätigte die Polizei Medienberichte, wonach ein Zivilbeamter während der Proteste in Porto seine Dienstwaffe gezogen habe. Staatspräsident António José Seguro forderte Aufklärung.
Molotowcocktails in Albanien
Zu Ausschreitungen kam es auch in der albanischen Hauptstadt Tirana. Teilnehmer einer Kundgebung von Studenten und Schülern zündeten laut albanischen Medien vor dem Bildungsministerium Müllcontainer an und bewarfen die Polizei mit Molotowcocktails und Steinen. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Nach Angaben der Behörden wurden sechs Menschen festgenommen. Der Samstag war der 19. aufeinanderfolgende Tag von Jugendprotesten in Tirana mit Forderungen nach mehr staatlichen Ressourcen für Schulen und Universitäten, besseren Bildungs- und Berufschancen und dem Rücktritt von Ministerpräsident Edi Rama.

