Panorama

Großer Unmut bei der "Zeit"Gericht beschlagnahmt Aufnahmen aus Block-Podcast

12.10.2026, 18:43 Uhr
00:00 / 03:48
623547124
Hat Christina Block ihre Kinder entführt? (Foto: picture alliance/dpa)

In einem "Zeit"-Podcast kommen zwei der vier Block-Kinder erstmals öffentlich zu Wort. Aufnahmen dieser Gespräche lässt das Landgericht Hamburg beschlagnahmen. Bei der Zeitung ist die Empörung groß.

Das Hamburger Landgericht hat im Block-Prozess Beweismaterial bei einer "Zeit"-Journalistin beschlagnahmen lassen. Wie das Gericht mitteilt, sei eine Durchsuchung wegen Tonaufnahmen aus dem Podcast "'Zeit Verbrechen: House of Block" angeordnet worden. Dazu sei es aber nicht gekommen, weil die Betroffene Anne Kunze das Material freiwillig ausgehändigt habe. Zuvor hatte die Strafkammer eigenen Angaben zufolge auch einen Durchsuchungsbeschluss für die Geschäftsräume der "Zeit" in Hamburg erlassen.

In einer Mitteilung des Gerichts heißt es, es gehe konkret um Gesprächsaufzeichnungen zwischen der betroffenen Familie und der "Zeit"-Redakteurin. Diese sollen zwei Wochen nach der mutmaßlichen Entführung der Block-Kinder in dem Safehouse in Dänemark entstanden sein. Die Gespräche hätten "nach Einschätzung des Gerichts für die Aufklärung der (...) Tatvorwürfe potenzielle Beweisbedeutung". Es sei möglich, dass damit Umstände besprochen wurden, die bislang nicht Teil der Akte seien. Zudem könne damit die Glaubwürdigkeit der Zeugen in ihrer Vernehmung überprüft werden.

Die "Zeit" bestätigte die Beschlagnahme und kritisierte die Hamburger Justiz scharf. Demnach seien am Morgen Vertreter der Staatsanwaltschaft und des Landeskriminalamts Hamburg am Sitz des Wochenblatts aufgetaucht und hätten mit einer Durchsuchung der Redaktionsräume gedroht. Auch hätten die Ermittler "angebliche Vertragsunterlagen der Interviewten" gesucht. Einen solchen Vertrag gebe es jedoch nicht.

"Zeit" kündigt Beschwerde an

Eigenen Angaben zufolge musste die "Zeit " die Interview-Aufzeichnungen herausgeben. Der Verlag habe der Beschlagnahme widersprochen und das Material versiegelt übergeben. Damit wolle man einer Auswertung vor Abschluss der rechtlichen Prüfung vorbeugen. "Dabei wurde auf die ständige Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zum besonderen Schutz von Presseunternehmen verwiesen."

Die Zeitung wehre sich "entschieden gegen diesen Angriff auf die Pressefreiheit" und habe Beschwerde eingelegt. Die "Zeit"-Chefredakteure Giovanni di Lorenzo und Jochen Wegner erklärten: "Zur Pressefreiheit gehört insbesondere der Quellenschutz, der für unabhängig berichtende Medien entscheidend ist. Wir werden uns deshalb mit allen rechtlichen Mitteln zur Wehr setzen".

Das Landgericht teilte dazu mit, dass die Kammer bei der Entscheidung die besondere Bedeutung der Pressefreiheit gewürdigt und starkes Gewicht beigemessen habe. "Für den vorliegenden Einzelfall hat sie das ihr von Amts wegen auferlegte Aufklärungsinteresse aber als besonders hoch angesehen und in die Abwägung zusätzlich eingestellt, dass hier gerade keine Enttarnung von Informanten drohe, weil deren Identität bereits selbst offenbart wurde", heißt es weiter.

In dem "Zeit"-Podcast "House of Block" spricht Kunze unter anderem mit zwei der vier Block-Kindern. Die jüngste Tochter von Christina Block und Ex-Mann Stephan Hensel sowie ihr jüngerer Bruder waren in der Silvesternacht 2023/24 dem Vater Stephan Hensel entrissen und zur Mutter nach Deutschland gebracht worden. Christina Block muss sich deshalb seit mehr als einem Jahr vor dem Landgericht Hamburg verantworten, sie soll die Entführung in Auftrag gegeben haben. Sie bestreitet die Vorwürfe.

Quelle: ntv.de, ses

HamburgChristina BlockProzesse