Politik

Hitlers letzter Sieg im WestenWie die Briten in der Schlacht um Arnheim scheiterten

17.09.2026, 15:29 Uhr (aktualisiert)Kommentarfoto Janis Peitsch-  (6) (1)Von Janis Peitsch
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Viele britische Fallschirmjäger geraten während "Market Garden" in Gefangenschaft. (Foto: Bundesarchiv, Bild 183-S73820 / CC-BY-SA 3.0)

Im Herbst 1944 versuchen Briten und Amerikaner, den Krieg gegen Nazi-Deutschland mit einer riskanten Luftlandeoperation zu verkürzen. Doch das Unternehmen scheitert. In der Schlacht um Arnheim feiert die Wehrmacht ihren letzten Triumph an der Westfront.

Am Mittag des 17. September 1944 spielt sich über der niederländischen Provinz Gelderland ein imposantes Schauspiel ab. Eine gewaltige Luftarmada aus Transportmaschinen und Lastenseglern bedeckt den Himmel, während Tausende alliierte Soldaten an ihren weißen Fallschirmen wie Schneeflocken in Richtung Erde gleiten. "Market Garden", eine der größten Luftlandeoperationen des Zweiten Weltkrieges, beginnt.

Ausgetüftelt hat "Market Garden" der britische Feldmarschall Bernard Montgomery. Nach der erfolgreichen Befreiung Frankreichs plant er, den deutschen Westwall mit einem schnellen Flankenmanöver zu umgehen und ins Ruhrgebiet vorzustoßen. Dafür sollen zunächst mehr als 35.000 Fallschirmjäger und Luftlandetruppen die strategisch wichtigen Brücken über Maas, Waal und Niederrhein im Handstreich erobern, um den nachfolgenden Panzerverbänden den Weg zu ebnen. Zu Weihnachten werde der Krieg zu Ende sein, verspricht Montgomery. Doch sein riskanter Plan entwickelt sich zu einem Fiasko: Schlechtes Wetter, Fehler in der Operationsplanung und der unterschätzte Widerstand der Deutschen führten am Ende zu Hitlers letztem Triumph an der Westfront.

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Die Luftlandungen der Alliierten verlaufen weitgehend nach Plan. (Foto: U.S. federal government)

Zunächst allerdings scheint an diesem 17. September vieles zu gelingen: Während amerikanische Fallschirmjäger über Eindhoven und Nimwegen abspringen, landen britische Soldaten der 1. Luftlandedivision weiter nördlich im Raum Arnheim. Für die Offensive ist die Brücke der Stadt von besonderer Bedeutung. Sie ist die letzte Hürde beim Vormarsch ins Herz der deutschen Rüstungsindustrie. Wegen Berichten über deutsche Flugabwehrstellungen landen die Briten jedoch mehr als zehn Kilometer weiter westlich als geplant. Der zeitweise Ausfall der Funkverbindung und vereinzelte deutsche Widerstandsnester behindern den Vormarsch. Lediglich rund 740 Mann unter Führung von Oberstleutnant John Frost erreichen am Abend die Brücke von Arnheim und verschanzen sich in den umliegenden Häusern.

Erbitterte Kämpfe bei Nimwegen

Die Deutschen werden von der Luftlandungen völlig überrascht. Doch der Zufall spielt ihnen in die Hände. In einem abgestürzten Lastensegler finden Wehrmachtsoldaten die Pläne für "Market Garden". Und es kommt noch schlimmer: Montgomery hatte bei seinen Überlegungen Aufklärungsberichte über deutsche Panzer im Raum Arnheim ignoriert. Tatsächlich befinden sich zwei SS-Panzerdivisionen zur Auffrischung in dem Gebiet, die sich nun gegen die britischen Fallschirmjäger wenden. Hitler erklärt die Niederschlagung der Offensive zur obersten Priorität. Alle verfügbaren Reserve- und Ausbildungseinheiten in der Umgebung werden in hastig zusammengewürfelten Kampfgruppen organisiert und in die Schlacht geworfen.

In den folgenden Tagen verhindert dichter Nebel in England weitere Fallschirmlandungen und Nachschublieferungen. Zudem gerät der Vormarsch des alliierten Hauptverbandes ins Stocken. Den Deutschen gelingt es, zwei Brücken über den Wilhelminakanal zu sprengen. Bei Nimwegen kommt es zu erbitterten Kämpfen. So gerät der ohnehin schon enge Zeitplan immer weiter in Verzug.

"Gott schütze den König"

In Arnheim spitzt sich die Lage zu. Deutsche Truppen kesseln Frosts Männer an der Brücke ein. Den Panzern haben die Briten mit ihren leichten Waffen kaum etwas entgegenzusetzen. Zudem werden Wasser und Munition knapp. Versuche der übrigen Bataillone, zu ihren Kameraden in Arnheim durchzubrechen, scheitern. "Keine Munition mehr. Gott schütze den König", ist der letzte Funkspruch, den die Eingeschlossenen absetzen. Etwa 88 Stunden nach Beginn der Kampfhandlungen schweigen die Waffen. Frost gerät mit mehreren Hundert Mann in Gefangenschaft.

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Britische Fallschirmjäger in den Ruinen eines Hauses in Oosterbeek. (Foto: Photo by Sgt. D M Smith/ Imperial War Museums via Getty Images)

Die Reste der britischen Luftlandedivision haben sich unterdessen in der Nachbargemeinde Oosterbeek eingeigelt. Doch Hilfe naht. Nachdem die Waalbrücke bei Nimwegen mit drei Tagen Verspätung endlich freigekämpft ist, erreichen am 22. September die Spitzen der britischen Wessex-Division das Südufer des Niederrheins gegenüber von Oosterbeek. In der Nacht zum 26. September werden die verbliebenen Fallschirmjäger abgezogen. Die Schlacht um Arnheim ist verloren, die Operation "Market Garden" gescheitert.

Die Brücke von Arnheim übersteht den Krieg nicht

Von den rund 10.000 Mann, die bei Arnheim gelandet sind, kehren nur etwa 2400 zurück. Fast 2000 sind gefallen, etwa 7000 geraten in Gefangenschaft oder gelten als vermisst. Nach "Market Garden" wird die britische Luftlandedivision nicht mehr in Kampfhandlungen eingesetzt. Rechnet man die Verluste der Bodentruppen hinzu, belaufen sich die alliierten Verluste der gesamten Operation auf 15.000 bis 17.000 Mann. Die Deutschen verlieren unterschiedlichen Schätzungen zufolge zwischen 3000 und 8000 Soldaten.

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Anfang Oktober zerstören alliierte Bomber die Brücke von Arnheim. (Foto: Imperial War Museum)

Zwar erzielen die Alliierten große Geländegewinne und erweitern die Front nach Norden, bezahlen dies aber mit einer Ausdünnung ihrer Linie in den Ardennen. Diese Schwachstelle nutzen die Deutschen im Dezember während ihrer Ardennenoffensive. Die Überquerung des Rheins und der Vorstoß ins Ruhrgebiet gelingen erst sechs Monate später. Der nördliche Teil der Niederlande bleibt noch bis Frühjahr 1945 unter deutscher Besatzung.

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Arnheim: Der Kampf um die Brücken über den Rhein 1944
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In den Blick der breiten Öffentlichkeit gerät der Kampf um Arnheim 1974 durch das Buch "A Bridge Too Far" des irischen Schriftstellers Cornelius Ryan. Drei Jahre später verfilmt Regisseur Richard Attenborough das Werk mit Sean Connery und Michael Caine. Die Brücke von Arnheim selbst übersteht den Krieg nicht. Alliierte Bomber zerstören sie wenige Wochen nach "Market Garden". An gleicher Stelle entsteht nach dem Krieg eine neue Brücke. Ende der 1970er Jahre wird sie nach John Frost benannt.

(Dieser Artikel wurde am Dienstag, 17. September 2019 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de

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