Nach OppositionssiegSerbiens Kripo-Chef festgenommen

Nach dem Wahlsieg der Opposition bröckelt Serbiens alter Machtapparat. Der "Lieblingspolizist" des bisherigen Machthabers Vučić sitzt nun in Haft. Die Vorwürfe gegen Polizeichef Kricak wiegen schwer: manipulierte Mordermittlungen, Gewalt und Einschüchterung.
Eine Woche nach der von der Opposition gewonnenen Parlamentswahl in Serbien ist auf Anordnung der Staatsanwaltschaft der Leiter der serbischen Kriminalpolizei, Marko Kricak, festgenommen worden. Ihm und seinem Stellvertreter Bosko Sekulovic wirft die Anklagebehörde Amtsmissbrauch vor, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Tanjug.
Bei der Wahl am vergangenen Sonntag hatte die oppositionelle Studentenliste eine deutliche Mehrheit der Mandate errungen und das bisherige Regierungslager unter dem Langzeitherrscher Aleksandar Vučić zur Oppositionsrolle verurteilt.
Obwohl der Regierungswechsel noch nicht vollzogen ist, sind die Machtbastionen des Vučić-Systems bereits jetzt Erosionsprozessen unterworfen. Dazu zählt nun auch die Festnahme jenes hohen Polizeibeamten, der als "Lieblingspolizist" von Vučić gilt. Laut dem Tanjug-Bericht wirft die Staatsanwaltschaft Kricak die Unterdrückung und Manipulation der Ermittlungen in einem Mordfall im Mafia-Milieu vor. Er soll es durch Manipulation der Beweismittel bewerkstelligt haben, dass die Staatsanwaltschaft eine Anklage wegen Beihilfe zum Mord fallenließ.
Vom Kfz-Verkäufer zum Top-Polizisten
Kricak war ursprünglich Kfz-Verkäufer und war als Loyalist des Vučić-Partei SNS in den Inlandsgeheimdienst BIA übernommen worden. Von Juli 2023 an befehligte der den Personenschutzdienst der serbischen Polizei (JZO). Ende 2025 wurde er an die Spitze der serbischen Kriminalpolizei berufen.
Laut dem Tanjug-Bericht wirft ihm die Staatsanwaltschaft auch die Misshandlung und Einschüchterung von friedlichen Demonstranten vor. Im August 2025 hatten Beamte der JZO eine Gruppe von Studentinnen und Studenten in den Keller des Regierungsgebäudes in Belgrad verschleppt. Kricak, damals Leiter der Einheit, soll die Aktion persönlich geleitet und eine Studentin geschlagen und mit Vergewaltigung bedroht haben.
