Hamburg & Schleswig-HolsteinWenn niemand bleibt - Kommunen organisieren Bestattungen

Wenn Angehörige nicht gefunden werden, übernehmen Kommunen in Schleswig-Holstein die Bestattung. Wie die Städte mit den Verstorbenen umgehen.
Flensburg/Kiel (dpa/lno) - Wer nach dem Tod niemanden hat, der sich kümmert, wird vom Amt bestattet. Auch in Schleswig-Holstein müssen Kommunen in Dutzenden Fällen jährlich die Bestattung bezahlen. Die Kommunen versuchen zwar, sogenannte bestattungspflichtige Angehörige wie Ehepartner, Eltern oder Kinder ausfindig zu machen. Dies gelingt aber nicht immer, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter den fünf größten Städten im Land ergab.
In Kiel gab es im vergangenen Jahr 243 Fälle, 2024 waren es 254. Die Fallzahlen bewegten sich hier in den vergangenen Jahren auf einem vergleichbaren Niveau, teilte die Stadt mit. In Lübeck war nach Angaben der Stadt von 2016 bis 2022 ein Anstieg der Fallzahlen zu verzeichnen. Seitdem bewegen sich die Zahlen auf einem vergleichsweise konstanten Niveau. 2025 wurden insgesamt 347 Menschen auf Veranlassung der Ordnungsbehörde bestattet. Zum Vergleich: Im Jahr 2009 lag die Zahl bei 172 Bestattungen.
Demografischer Wandel und zunehmende Vereinsamung
Auch in Flensburg sind die Zahlen seit dem Jahr 2020 stabil, sagte ein Stadtsprecher. Im vergangenen Jahr wurden rund 113 Bestattungsfälle bearbeitet, 80 Aufträge davon wurden durch die Ordnungsverwaltung erteilt. Aber auch wenn keine Zunahme vorliege, könne grundsätzlich festgestellt werden, dass die Anzahl der Bestattungsfälle unter anderem vom demografischen Wandel und der Vereinsamung der Menschen beeinflusst werde. Ein Sprecher der Stadt Lübeck nannte fehlende finanzielle Mittel sowie nicht abgeschlossene Vorsorgeverträge mit Bestattungsunternehmen als weitere Faktoren.
Zu den Gründen äußerte sich ein Sprecher von Neumünster ähnlich: "Der demografische Wandel und die zunehmende Vereinsamung führen dazu, dass immer häufiger Menschen niemanden mehr haben, der sich um die Bestattung kümmern kann." Hinzu kämen zerrüttete Verhältnisse, sodass teilweise jahre- oder jahrzehntelang kein Kontakt mehr zu Verwandten bestand und diese vom Tod der Betroffenen nichts mitbekämen. 2025 gab es in Neumünster 96 ordnungsbehördliche Bestattungen, 2026 waren es bisher 81. Die Tendenz sei steigend.
In Norderstedt steigt die Zahl tendenziell ebenfalls, wie ein Stadtsprecher sagte. Hier hat es in den vergangenen Jahren jährlich 45 bis 55 ordnungsbehördliche Sterbefallmeldungen gegeben. In annähernd 85 Prozent der Fälle werden die Verstorbenen demnach durch Veranlassung der Ordnungsbehörde bestattet.
Kommunen fordern Kosten zurück
Die Kosten werden im Anschluss von den bestattungspflichtigen Angehörigen zurückgefordert. In den Fällen, in denen Angehörige gefunden werden, werden in Flensburg beispielsweise 80 bis 90 Prozent der Bestattungsfälle übernommen. In etwa 25 bis 30 Prozent der Fälle lassen sich hier allerdings keine bestattungspflichtigen Angehörigen finden. In Norderstedt werden in annähernd 60 Prozent der Fälle keine Angehörige ermittelt. In Lübeck sind es etwa 40 Prozent. In der Landeshauptstadt kann das Ordnungsamt die Bestattungskosten den Angaben zufolge in den meisten Fällen zufolge wieder eintreiben.
Beisetzung im Urnengrab ist die Regel
Beigesetzt werden die Verstorbenen in Flensburg in einem anonymen Urnen-Gemeinschaftshain. Mehrmals im Jahr gibt es aber Aussegungsfeiern für die ordnungsbehördlich Bestatteten. Im Vorfeld werden auch deren Namen sowie Geburtsjahr und Sterbedatum bekanntgegeben.
In Kiel werden die Verstorbenen einmal im Monat in einer "würdigen Gemeinschaftsbestattung" beigesetzt. Wenn Religionszugehörigkeit oder letzter Wille hinsichtlich der Bestattungsart beziehungsweise des Bestattungsortes bekannt sind, versucht das Kieler Ordnungsamt dem nach Möglichkeit Rechnung zu tragen. Auch in Lübeck gibt es in Einzelfällen abweichende Bestattungsformen. In der Regel erfolgt die Bestattung in einem anonymen Urnengrab. Ähnlich handhaben es Neumünster und Norderstedt.