Rheinland-Pfalz & SaarlandBentele: Sozialstaat ist nicht "Sparschwein des Haushalts"

Geboren aus dem Leid des Krieges, gebraucht in einer Gesellschaft unter Druck: Statt sich auf seiner Geschichte auszuruhen, stellt der VdK Rheinland-Pfalz Forderungen an die Politik.
Neustadt/Weinstraße (dpa/lrs) - Zu seinem 80-jährigen Bestehen hat der Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz mehr Einsatz für bezahlbares Wohnen, Pflege und gesellschaftliche Teilhabe gefordert. "Der Sozialstaat ist nicht das Sparschwein des Bundeshaushalts", sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele beim Festakt im Hambacher Schloss einer Mitteilung zufolge. Entscheidend sei nicht nur, wie viel Geld gespart werde, sondern auch, wer die Folgen trage.
Als der VdK 1946 gegründet wurde, stand Hilfe für Kriegsbeschädigte und Hinterbliebene im Mittelpunkt. Heute zählt der Verband in Rheinland-Pfalz nach eigenen Angaben knapp 240.000 Mitglieder. Der Landesvorsitzende Willi Jäger sagte, der Verband stelle sich immer wieder neuen gesellschaftlichen Herausforderungen. "Was geblieben ist, ist unser sozialer Auftrag."
Wohnen, Mobilität und Pflege im Fokus
Anlässlich des Jubiläums bekräftigte der Verband drei zentrale Forderungen an die Landesregierung: ein landesweites Sozialticket, zum Beispiel in Form eines vergünstigten Deutschlandtickets, damit Menschen mit geringem Einkommen mobil bleiben können. Zudem müsse das Land den Bau und Umbau bezahlbarer und barrierefreier Wohnungen stärker fördern. In der Pflege fordert der VdK verlässliche Unterstützung für Menschen, die zu Hause versorgt werden, sowie den Erhalt und die Stärkung der Pflegestützpunkte.
Wie groß der Bedarf an Unterstützung ist, zeigen Bentele zufolge auch die Fälle aus der Sozialrechtsberatung. Allein 2025 habe der Landesverband mehr als 43 Millionen Euro an Nachzahlungen für Mitglieder erstritten. Das sei ein trauriger Rekord, sagte die Präsidentin des Sozialverbands Deutschland. Er zeige, wie häufig Menschen Ansprüche erst mit Widersprüchen und Klagen durchsetzen könnten. Der VdK werde sich weiter "laut und hartnäckig" einmischen.
Zusammenhalt als Maßstab
Bentele mahnte, der Umgang mit Menschen, die Unterstützung benötigten, sei ein Gradmesser für den Zustand einer Gesellschaft. Menschenwürde, Solidarität und Zusammenhalt dürften keine bloßen Schlagworte sein, sondern müssten politisches Handeln bestimmen. "Jeder Mensch hat Würde, jeder Mensch gehört dazu, und niemand darf übersehen werden." Gerade bei knappen Ressourcen dürfe soziale Gerechtigkeit nicht aus dem Blick geraten.