Rheinland-Pfalz & Saarland"Klimabedingte Waldkrise" im Saarland

Das Saarland hat mit 36 Prozent Fläche einen der höchsten Waldanteile in Deutschland. Aber wie geht es den Bäumen? Und welche Folgen hat der Klimawandel? Das zeigt der neueste Jahresbericht.
Saarbrücken (dpa/lrs) - Mehr Hitze, mehr Trockenheit, mehr Waldbrände: So fällt die Bilanz des Waldzustandsberichtes 2026 für das Saarland aus. Umweltministerin Petra Berg (SPD) und der Direktor des Landesbetriebs SaarForst, Thomas Steinmetz, stellten den Bericht jetzt vor.
Der Anteil der deutlich geschädigten Bäume stieg um 4,6 Prozentpunkte auf knapp 50 Prozent. Insgesamt gelten nur noch 13 Prozent des Bestandes als gesund - das sind rund 4 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr.
Die Ursachen und Folgen
"Ein überdurchschnittlich warmes Frühjahr, insbesondere eine intensive Hitzewelle im Juni, sowie der wärmste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen mit zu wenigen Niederschlägen führten zu einer Austrocknung der Böden und einer Belastung der Vegetation", sagte Berg.
Die geleerten Wasserspeicher im Waldboden und die geschwächten Bäume hätten zur Folge, dass das Waldbrandrisiko steige. Bis Ende August habe es bereits über 185 Wald- und Vegetationsbrände gegeben, die meisten verursacht durch fahrlässiges menschliches Handeln.
Der seit Jahrzehnten größte Waldbrand erfasste im Raum Illingen eine Fläche von 18 Hektar. "Das halte ich wirklich für eine dramatische Entwicklung", sagte Steinmetz.
Die Situation
Das Saarland zählt nach Angaben des Ministeriums zu den waldreichsten Bundesländern. Mit rund 93.000 Hektar bedecke der laubbaumreiche Wald rund 36 Prozent der Landesfläche.
Neben regionalen Differenzen verzeichnet der Waldzustandsbericht auch unterschiedliche Entwicklungen bei den Baumarten:
Eichen und Fichten konnten als einzige Arten eine Verbesserung des Kronenzustands erreichen. "Die Eiche präsentiert sich besser als im Vorjahr und hat unter der Trockenheit offenbar nicht so gelitten wie die Buche", sagte Steinmetz. Der Prachtkäfer verursache mit seinem "verschwenderischen Fraß" jedoch ein Absterben auch von sehr vitalen Eichen.
Zwar sei der Borkenkäferbefall an Fichten weiter rückläufig. Allerdings habe die klimawandelbedingte Waldkrise dafür gesorgt, dass der Fichten-Anteil seit 2018 von 11 auf 7 Prozent um etwa 700 Hektar gesunken sei und auch weiter zurückgehen werde.
Der am stärksten verbreiteten Hauptbaumart im Saarland, der Buche, gehe es deutlich schlechter. "Was den Anteil der Buchen ohne sichtbare Schäden erreicht, haben wir einen Minimalpunkt erreicht", so der SaarForst-Chef. Bereits Anfang August habe man erste Auswirkungen der Trockenheit beobachtet, weil die Blätter von der Grün- direkt in die Braunfärbung gegangen seien.
Untersuchungen hätten ergeben, dass in weiten Teilen des Saarlandes auch in einer Bodentiefe von 1,80 Metern eine "außerordentliche Dürre" herrschte. "Das stimmt uns natürlich mit Sorge", sagte Steinmetz.
Auch Ahorn und Birke hätten Höchstwerte beim Schadensniveau erreicht.
Die Ziele und Maßnahmen:
"Eine der wichtigsten Aufgaben der Waldwirtschaft bleibt, die Resilienz der Wälder zu steigern und ihre Bewirtschaftung an die Folgen des Klimawandels anzupassen", sagte Petra Berg. "Wir haben immer noch die Wälder, die sich andere wünschen, aber wir sehen auch, dass wir vieles tun müssen." Um die Zukunftsfähigkeit zu sichern, setzen die Behörden unter anderem auf Investitionen in Wasserrückhaltung und Aufforstungen.
In der aktuellen Pflanzsaison werde der SaarForst rund 105.000 Pflanzen zur Wiederaufforstung im Staatswald und Kommunalwald anpflanzen. Zudem unterstütze das Land die Wiederbewaldung von weiteren 90 Hektar Privat- und Kommunalwald mit 55.000 standortheimischen Baumarten.
Darüber hinaus soll die Waldbrandprävention verstärkt werden, etwa durch Öffentlichkeitskampagnen. Außerdem gibt es laut Steinmetz neben Waldbrandeinsatzkarten auch eine enge Zusammenarbeit mit der Feuerwehr, die man weiter optimieren wolle. "Dies werden wir zu einem Dauerthema machen müssen."