Rheinland-Pfalz & SaarlandWein zu Desinfektionsmitteln - Weniger Anträge als erwartet

Überproduktion und Preisdruck: Rheinhessen ist eins von zwei Anbaugebieten in Deutschland, in dem die EU Krisendestillation unterstützt. Die Antragsfrist ist jetzt vorbei.
Mainz (dpa/lrs) - Für die Krisendestillation von Wein sind in Rheinland-Pfalz 266 Anträge auf insgesamt 6,3 Millionen Liter gestellt worden - weniger als möglich. Insgesamt seien nur etwa 36 Prozent der maximal möglichen Menge in Höhe von 17,5 Millionen Litern beantragt worden, wie das für Wein zuständige Ministerium in Mainz auf Anfrage mitteilte.
Die Antragsfrist war am 15. Oktober abgelaufen. Wie viele Anträge bewilligt werden, ist noch offen. Die Menge werde wahrscheinlich unter den Anträgen liegen. Der SWR hatte zuvor darüber berichtet.
Millionensumme aus EU-Geldern für Krisendestillation
Rund 4,7 Millionen Liter davon waren Rot- und etwa 1,6 Millionen Liter Rosé-Wein "Rechnerisch ergibt sich eine durchschnittliche Menge von rund 23.800 Liter pro Antrag", teilte ein Sprecher mit.
Von den EU-Mitteln für die Krisendestillation in Höhe von 14,16 Millionen Euro entfielen rund 10,3 Millionen Euro auf das größte deutsche Anbaugebiet Rheinhessen - und der Rest auf Württemberg, viertgrößtes der 13 Anbaugebiete. Andere Regionen waren nicht vorgesehen.
Zu viel Wein im Angebot
Weil zu viel Wein auf dem Markt ist, können Winzer aus den beiden Anbaugebieten überschüssige Mengen zu Industriealkohol weiterverarbeiten. Dem hatte die EU-Kommission nach einem deutschen Antrag zugestimmt. Zugelassen sind Rot- und Roséweine des Jahrgangs 2025 und älter.
Die EU fördert die Destillation mit 43 Cent pro Liter. Hinzu kommen 16 Cent pro Liter für Logistik- und Brennkosten. Um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden, darf bei der Krisendestillation gewonnener Alkohol ausschließlich für industrielle Zwecke genutzt werden, etwa für Desinfektionsmittel und Energie. Eine Verwendung für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie ist nicht zulässig.