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ThüringenFrau in Kiste gesperrt – Prozess neu gestartet

13.10.2026, 15:36 Uhr
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Im Prozess um eine junge Frau, die laut Anklage nackt in eine Holzkiste gesperrt wurde, kommt ein weiterer Vorwurf gegen den Mann hinzu. Zudem äußerte sich die angeklagte Frau.

Erfurt (dpa/th) - Im Prozess um eine mutmaßliche Geiselnahme einer jungen Frau muss sich ein 54 Jahre alter Mann nun auch wegen versuchter Nötigung verantworten. Er soll unter anderem versucht haben, mit einer E-Mail an die Geschädigte Einfluss zu nehmen, um zu erreichen, dass sie ihre ursprüngliche Aussage revidiert, wie eine Staatsanwältin am Rande der Verhandlung am Landgericht Erfurt sagte. Außerdem soll er auf einem öffentlichen Facebook-Account ein privates Foto der Geschädigten hochgeladen haben.

Polizei befreite Frau aus Holzkiste

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 54-Jährigen und einer 57 Jahre alten Frau unter anderem gemeinschaftliche Geiselnahme in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vor. Die beiden sollen im Juli 2025 die damals 19-Jährige auf einem Grundstück mit Scheune in der Gemeinde Vogelsberg im Landkreis Sömmerda mehrere Tage festgehalten haben. Der 54-Jährige habe ihr mehrfach gedroht und sie schließlich nackt in eine kleine Holzkiste gesperrt, hieß es in der Anklage. Die Polizei habe die als vermisst gemeldete junge Frau später aus der Kiste befreit. Der 54-Jährige hatte in seiner bereits erfolgten Einlassung die Vorwürfe allesamt bestritten.

Der Prozess war zunächst ausgesetzt worden, um ein aussagepsychologisches Sachverständigengutachten einzuholen. Nun startete das Verfahren neu.

Dreiecksbeziehung und ein mysteriöses "Institut"

Die 57 Jahre alte Angeklagte äußerte sich bei der Verhandlung zu ihrer Beziehung zum Angeklagten. "Ich habe ihn wirklich geliebt", sagte sie vor Gericht. Zudem schilderte sie, dass der Angeklagte Sex gebraucht habe, um sein "Energie-Level" aufrechtzuerhalten. Das habe ihr ein "Institut" so erklärt. Sie habe sich Sorgen um dessen Gesundheitszustand gemacht.

Die damals 19 Jahre alte Geschädigte sei eine "Spaziergeh-Freundin" gewesen, schilderte die Angeklagte. Sie sei in das Leben der beiden getreten, weil auch sie das Energie-Level des Angeklagten aufrechterhalten sollte. Sie habe das auch gewusst.

Später zerbrach die Dreiecksbeziehung, Versöhnungsversuche scheiterten nach Darstellung der Angeklagten. Dann habe das "Institut" den Plan gehabt, die junge Frau in einem Bretterverschlag auf dem Dachboden einer Scheune am Wohnsitz des Angeklagten unterzubringen, damit sie sich an "ihre Pflicht" erinnere.

"Wir sollten sie fangen", sagte die Angeklagte vor Gericht. Sie habe immer mehr Angst von diesem "Institut" bekommen. "Ich habe dieses "Institut" zum Ende hin als Drohung empfunden, als skrupellos." Zudem hatte sie den Eindruck, es gehe wegen des niedrigen "Energie-Levels" des Angeklagten um sein Leben. Mehrmals sprach sie von einer "Zwangslage", in der sie sich befunden habe.

Auto gerät in Polizeikontrolle

Schließlich sei ein Treffen mit der Geschädigten organisiert worden. Der Angeklagte habe versucht, sie mit einer offenbar in einem Betäubungsmittel getränkten Serviette zu betäuben, was zunächst misslang, aber später dann doch gelang. "Ich fand das so hinterhältig", sagte die Angeklagte.

Die damals 19-Jährige sei ihrer Erinnerung nach etwa drei bis fünf Minuten "außer Gefecht gesetzt" gewesen. Bei einer Polizeikontrolle des Autos sei sie schon wieder ansprechbar gewesen und habe auch nicht den Eindruck gegenüber den Beamten erweckt, dass sie Hilfe brauche.

Die Geschädigte sei dann in den Verschlag gebracht worden, sie selbst sei ins Haus gegangen und am nächsten Tag zu ihrem Haus gefahren. Ein paar Tage später sei sie wieder zu dem Ort gefahren und habe sich nach der jungen Frau erkundigt, aber nicht nach ihr gesehen. Dass der Angeklagte die junge Frau später in eine Kiste gesperrt haben soll, davon habe sie damals nichts gewusst, beteuerte sie.

Quelle: dpa

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