Auszahlungen laufen wiederBinance erlebt Abhebungswelle nach Rekord-Hack

Innerhalb von nur 20 Minuten erbeuten Hacker gleich 6,3 Milliarden US-Dollar bei der Kryptobörse Binance. Drei Tage später erlaubt die Plattform wieder Auszahlungen - und erlebt kurzzeitig einen Run auf das Geld.
Nach einem milliardenschweren Rekord-Diebstahl von Digitalwährungen bei der weltgrößten Kryptobörse Binance hat die Wiederaufnahme von Auszahlungen eine Welle von Abhebungen ausgelöst. Die Abflüsse hätten sich jedoch nach einem ersten sprunghaften Anstieg stabilisiert, teilte das Unternehmen mit. Dem Analysehaus DefiLlama zufolge zogen Kunden netto mehr als 3,5 Milliarden US-Dollar ab.
Binance teilte mit, die Plattform habe inzwischen 95 Prozent der gestohlenen Kundengelder aus eigenen Reserven ersetzt. Bei dem Cyberangriff am Donnerstag hatten Hacker digitale Vermögenswerte in Milliardenhöhe entwendet.
Die US-Bundespolizei FBI macht eine staatlich unterstützte nordkoreanische Hackergruppe namens "TraderTraitor" für die Tat verantwortlich. Ermittler hätten beobachtet, wie Mitglieder der Gruppe die Beute in die Kryptowährung Ether umtauschten, teilte die Behörde mit. Das FBI erwarte weitere Geldwäschevorgänge. Trump äußerte sich jedoch zurückhaltender. Es sei noch nicht sicher, ob Nordkorea in den Vorfall verwickelt sei, sagte er. Sollte dies der Fall sein, werde man mit der Regierung in Pjöngjang darüber sprechen. Nordkorea bestreitet seit Jahren Vorwürfe, staatliche Cyber-Einheiten für Spionage oder Finanzdiebstähle einzusetzen.
Binance hatte nun mit der schrittweisen Wiederaufnahme der Auszahlungen begonnen. In einer ersten Phase gab das Unternehmen unter anderem Kryptowerte wie Bitcoin, Ether, XRP und Dogecoin wieder frei. Das Unternehmen habe den Großteil der gestohlenen Summe von insgesamt 6,3 Milliarden Dollar abgedeckt. Der Rest bestehe aus weniger liquiden Vermögenswerten, deren Beschaffung in den benötigten Mengen länger dauern könne. Binance hatte nach eigenen Angaben intern rund 6,34 Milliarden Dollar an eigenen Mitteln zurückgelegt, um Verluste zu decken.
Gesamtvermögen von 162,8 Milliarden Dollar
Der Großteil des Diebstahls hatte sich am späten Donnerstag innerhalb von rund 20 Minuten abgespielt. Nach Angaben von Co-Chef Richard Teng handelte es sich um einen komplexen Angriff, bei dem sich die Täter über einen gehackten Laptop Zugriff verschafften und Schadsoftware nutzten, um Spuren zu verwischen. Das Einfrieren betroffener Vermögenswerte trug nach Unternehmensangaben zur Schadensbegrenzung bei. Binance habe zusammen mit Partnern bis Freitag rund drei Milliarden Dollar blockiert.
Binance-Gründer Changpeng Zhao dankte den US-Behörden auf X für die Unterstützung bei der Verfolgung und dem Einfrieren der Vermögenswerte. Sie hätten maßgeblich dazu beigetragen, dass der Bitcoin-Kurs nach dem Angriff nicht stärker eingebrochen sei. Die Kryptobörse hat weltweit rund 335 Millionen registrierte Nutzer und verwaltete dem Jahresbericht für 2025 zufolge ein Vermögen von 162,8 Milliarden Dollar.