KI-Zweifel, teures Öl und Frankreich verhageln den Wochenschluss
Nach dem schwachen Vortag ist der Dax unter Druck geblieben. Enttäuschende Konjunktursignale aus Frankreich verstärkten die wegen hoher Ölpreise und KI-Zweifeln ohnehin großen Sorgen der Anleger. Der deutsche Leitindex büßte letztlich 0,7 Prozent auf 25.181 Punkte ein und rutschte damit zurück unter die 21-Tage-Linie. Auf Wochensicht ist der Dax um 1,7 Prozent gefallen. Der MDax der mittelgroßen Werte verlor am Freitag 0,7 Prozent auf 29.876 Zähler.
Die Anleger bekommen angesichts der hohen Bewertungen im US-Technologiesektor zunehmend kalte Füße, kommentierte Andreas Lipkow von CMC Markets. Dabei gehe es längst nicht mehr um die grundsätzlichen Wachstumsperspektiven Künstlicher Intelligenz, sondern um die Frage, ob sich die milliardenschweren Investitionen der Hyperscaler in Rechenzentren und Halbleiter jemals in entsprechend hohe Gewinne verwandeln lassen.
Die Facebook-Mutter Meta Platforms musste in ihren Quartalszahlen einen negativen Cashflow offenlegen. Als schlechtes Omen werteten Marktteilnehmer zudem die Schlagzeilen um SK Hynix. Der weltweit zweitgrößte Hersteller von Speicherchips aus Südkorea legte die Pläne für den Börsengang seiner Speicherchipsparte in den USA erst einmal auf Eis.
Für zusätzlichen Gegenwind sorgten die anhaltend hohen Energiepreise. Die Sorte Brent notierte bei 114 Dollar je Fass. Die leichte Entspannung bei den Anleiherenditen wird dabei eher negativ gewertet, als Zeichen für die Flucht in sichere Häfen aus dem Aktienmarkt. Je länger die Energiepreise hoch bleiben, desto stärker fressen sie sich durch die Lieferketten und treiben die Inflation, so der Tenor im Handel.
Hinzu kamen die Frankreich-Sorgen. Die Stimmung in den Unternehmen der Eurozone trübte sich im Oktober überraschend deutlich ein, wie der Einkaufsmanagerindex von S&P Global zeigt. Demnach wird die Wirtschaft vom Inflationsdruck und den Sorgen um den französischen Staatshaushalt belastet. Aus Sicht von Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank wird die Protestwelle in Frankreich zum Konjunkturrisiko.
Mit 169 Basispunkten liegt die Zinsdifferenz zwischen französischen und deutschen zehnjährigen Staatsanleihen auf einem Niveau wie zu Zeiten der Schuldenkrise. Sorgen macht sich der Markt über das neue Länder-Rating, das die Agentur Moody's am Abend bekanntgeben wird. Eine Abstufung der französischen Bonität ist möglich.
Zu den größten Verlierern im Dax zählte MTU Aero Engines mit einem Minus von rund 5,0 Prozent. Grund war der Kurseinbruch von Safran in Paris um über acht Prozent. Die Geschäftszahlen lagen zwar im Rahmen der Erwartungen, der Bereich Antriebssysteme hat jedoch die Prognose verfehlt. Dies drückte massiv auf die anderen Hersteller von Flugzeugtriebwerken. Auch Rolls-Royce in London verloren deutlich.
Stützend wirkten dagegen defensive Werte. An die Spitze im Dax setzten sich Fresenius Medical Care mit einem Plus von 2,9 Prozent, Beiersdorf mit einem Plus von 2,0 Prozent, und Fresenius mit einem Plus von 1,4 Prozent.
Marktstratege Jürgen Molnar von RoboMarkets und Analyst Thomas Altmann von QC Partners warnten, dass die Börsen inzwischen mehr als nur gute Nachrichten brauchen. Sie brauchen handfeste Belege für nachhaltiges Wachstum und eine Entspannung bei den größten Risikofaktoren.
Das war der Börsen-Tag am Freitag. Wir verabschieden uns und wünschen ein erholsames Wochenende. Am Montag geht es an dieser Stelle munter weiter. Wir würden uns freuen, wenn Sie dann wieder dabei wären.
Bundesregierung gibt weiteren Teil der Ölreserve frei
Deutschland gibt weitere Ölreserven frei. Damit komme die Bundesregierung internationalen Verpflichtungen nach, auch einem Beschluss der G7-Staaten, teilte das Wirtschaftsministerium auf Anfrage mit. Eine entsprechende Verordnung sei am Vortag in Kraft getreten.
Deutschland soll nach einem Schlüssel der Internationalen Energieagentur (IEA) 19,5 Millionen Barrel von insgesamt 100 Millionen Barrel beitragen. Davon sind nach Auskunft des Ministeriums bis Oktober sechs Millionen freigegeben worden. Für die noch ausstehenden 13,5 Millionen Barrel werde man sich zunächst auf die Freigabe von Diesel und Heizöl konzentrieren, so das Ministerium.
Zuvor hatte Ministerin Katherina Reiche (CDU) am Rande einer Veranstaltung zu einer geplanten Raffineriestrategie darauf verwiesen, dass am Mittwoch eine Verordnung im Bundesgesetzblatt veröffentlicht wurde. Mit dieser wird die strategische Ölreserve Deutschlands vorübergehend von 90 auf 82 Tage gesenkt.
American Express baut 3500 Jobs ab
American Express streicht fünf Prozent seiner weltweiten Belegschaft, um die steigenden Kosten einzudämmen. Der Abbau summiert sich damit auf etwa 3500 Stellen. Chief Executive Stephen Squeri sagte, der Stellenabbau sei Teil eines Plans, die Organisation zu rationalisieren und in Geschäftsprioritäten zu investieren.
"Wir haben eine gute Dynamik, aber um die Innovation zu beschleunigen und in den nächsten Jahren zu gewinnen, mussten wir eine agilere und effizientere Organisation werden", sagte Squeri in einer Telefonkonferenz mit Analysten.
Mehr Öl, höhere Preise - so schnappt die Diesel-Falle zu
Obwohl die Liefermengen wieder zunehmen, steigt der Ölpreis auf ein Fünfmonatshoch. Explodierende Tankerkosten, knapper Diesel und schwindende Ölreserven sind die Gründe dafür. ntv-Finanzexperte Patrick Dewayne erklärt, warum mehr Rohöl keine Entwarnung bedeutet und eine neue Inflationswelle droht.
Wall Street baut weiter ab - ist SK Hynix ein Warnsignal?
Nach den heftigen Vortagesabgaben im Technologiesektor gibt die Wall Street weiter nach. Am Vortag hatten Händler aggressive Umschichtung von KI-bezogenen Aktien hin zu defensiveren Werten beobachtet. Aktuell sieht es nicht nach einer Erholung im Technologiebereich aus, die grundlegenden Sorgen über die KI-Investitionen bestehen weiter. Allerdings lassen sich vereinzelt Schnäppchenjäger bei Technologiewerten beobachten. Ein Trend sei das aber bislang nicht, heißt es im Handel. Im frühen Geschäft sinkt der Dow-Jones-Index um 1,0 Prozent auf 52.348 Punkte, S&P-500 und Nasdaq Composite büßen 0,5 bzw. 0,4 Prozent ein.
Als schlechtes Omen werten Marktteilnehmer die Schlagzeilen um SK Hynix: Der weltweit zweitgrößte Hersteller von Speicherchips aus Südkorea stoppte seine Pläne, die Speicherchip-Sparte an die US-Börse zu bringen - und dies unter Verweis auf die Marktbedingungen und die allgemeine Entwicklung der Aktienkurse. Auch wenn der Gesamtmarkt insgesamt noch weit von einem Bärenmarkt entfernt ist, befinden sich viele einzelne zyklische Aktien und solche mittelgroßer Unternehmen bereits in lokalen Bärenmärkten. Laut Factset-Daten notieren rund 40 Prozent der Werte im S&P-500 mindestens 20 Prozent unter ihren 52-Wochenhochs.
Französischer Autozulieferer Valeo lässt kräftig Federn
Die Aktien des französischen Autozulieferers Valeo brechen um mehr als zwölf Prozent ein. Für das zweite Halbjahr peilt das Unternehmen nun ein Ergebnis auf dem Niveau des ersten Halbjahres an, nachdem es zuvor ein "mindestens" gleich hohes Resultat in Aussicht gestellt hatte. Der Konzern habe damit seine Prognosen für Marge und freien Cashflow implizit nach unten korrigiert, sagen die Analysten von TP ICAP Midcap. Im dritten Quartal sank der Umsatz auf vergleichbarer Basis um 2,6 Prozent.
"Uneinheitliche Details": American Express überzeugt Anleger nicht
Der Quartalsbericht von American Express hat die Anleger trotz einer angehobenen Prognose nicht überzeugt. Die Titel des US-Kreditkartenanbieters bröckeln im vorbörslichen Handel um zwei Prozent ab.
Nach einem starken dritten Quartal rechnet American Express nun mit einem Gewinn zwischen 18,30 und 18,60 Dollar je Aktie für das Gesamtjahr, nach einer bisherigen Prognose von 17,30 bis 17,90 Dollar. "Die Überschrift klingt gut - Amex übertrifft die Gewinnerwartungen und hebt die Prognose für das Gesamtjahr an. Aber die Details sind uneinheitlich", schreiben die Analysten der US-Bank Truist. Die Anhebung des Ausblicks sei weniger ein Hinweis auf ein besseres viertes Quartal, sondern spiegele vielmehr die starken Ergebnisse des dritten Quartals wider.
American Express profitiert weiterhin von der Ausgabefreude wohlhabender Kunden bei Reisen, Restaurantbesuchen und Einkäufen. Der Branchenriese richtet sich an Verbraucher mit hoher Kreditwürdigkeit und mehr verfügbarem Einkommen und schottet sich so gegen die breitere wirtschaftliche Abkühlung ab. Seit Jahresbeginn hat die Aktie dennoch mehr als zehn Prozent an Wert verloren.
BASF erhöht Angebot für Evonik - Kurs steigt
Der Ludwigshafener Chemieriese BASF hat sein Übernahmeangebot für den kleineren Rivalen Evonik einem Insider zufolge auf mehr als elf Milliarden Euro erhöht. BASF habe dem Evonik-Vorstand eine Offerte über 24 Euro je Aktie unterbreitet und hoffe, dass dieser nun in Verhandlungen über eine Übernahme einsteige, sagte eine Person aus dem Umfeld von BASF.
Auf Basis des vorherigen Gebots über 22,15 Euro je Aktie hatte Evonik Verhandlungen abgelehnt. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte als Erste über die Erhöhung berichtet. Ein BASF-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern. Die Evonik-Aktie stieg um 2,7 Prozent auf 21,26 Euro.
Münchener Rück hängt Latte höher
Die Münchener Rück schraubt ihre Erwartungen für das laufende Jahr angesichts eines erneuten Milliardengewinns im dritten Quartal nach oben. Der Rückversicherer prognostiziert nun ein Nettoergebnis von 6,6 (2025: 6,1) Milliarden Euro, 300 Millionen mehr als bisher. Zwischen Juli und September lief nach vorläufigen Zahlen ein Gewinn von rund 1,7 (2,0) Milliarden Euro auf. Das ist zwar weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum, aber gut 200 Millionen mehr als die Analysten im Schnitt erwartet hatten. Nach neun Monaten steht damit bereits ein Gewinn von 5,7 Milliarden zu Buche.
Die Großschadenlast sei im Sommer unterdurchschnittlich und unerwartet niedrig ausgefallen. Schwere Hurrikans über dem westlichen Atlantik sind fast ausgeblieben. Zudem sprach die Münchener Rück von einem starken Kapitalanlageergebnis in der Rückversicherung. Wenn sich bis zum Jahresende nicht noch heftigere Naturkatastrophen oder andere Großschäden ergäben, wolle der Rückversicherer die guten Zahlen dazu nutzen, die Reserven in der Bilanz zu stärken und damit für künftige Belastungen vorzubauen. Trotzdem werde das Ergebnis höher ausfallen als bisher gedacht.
KI als Biopharma-Booster: Sartorius stürmen an MDax-Spitze
Die Aktien des Labor- und Pharmazulieferers Sartorius setzen sich nach einem positiven Analystenkommentar an die Spitze der MDax-Gewinner. Die Papiere legen bis zu 2,4 Prozent auf 280,20 Euro zu. Die Analysten von RBC stuften die Titel auf "Outperform" von "Sector Perform" hoch. Sie begründeten den Schritt mit verbesserten Aussichten für die Firma, Prognosen für ein beschleunigtes Wachstum und potenziellen Vorteilen durch KI-gesteuerte Nachfrage. Künstliche Intelligenz entwickelt sich laut RBC zu einem wichtigen Motor in der Biopharmabranche und der akademischen Forschung, wovon Sartorius durch seine LPS-Sparte und sein Angebot an kleineren Bioreaktoren profitieren dürfte.
Öl-Schock und KI-Kater: Dax taumelt weiter abwärts
Die Erholung ist schon wieder Geschichte: Steigende Ölpreise und neue Sorgen um die KI-Blase drücken am letzten Handelstag der Woche erneut auf die Börsen.
Dax und EuroStoxx50 notieren am Vormittag jeweils rund ein halbes Prozent tiefer bei 25.135 und 6042 Punkten. "Die Erholung ist schon wieder Geschichte, denn steigende Ölpreise und das Meta-Debakel haben den Nasdaq 100 erneut um fast drei Prozent nach unten geschickt", sagte Jürgen Molnar, Stratege beim Broker RoboMarkets.
Saudi Aramco hat laut Reuters seinen Hauptsitz in Dhahran evakuiert. Hintergrund sind die sich zuspitzenden Auseinandersetzungen zwischen dem weltgrößten Rohölexporteur Saudi-Arabien und den vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen. Brent und US-Leichtöl WTI verteuern sich um jeweils rund ein Prozent auf 114,10 und 100,86 Dollar je Fass. "Die Märkte sind zunehmend besorgt über eine erneute Eskalation am Persischen Golf", schreiben die Experten der ING.
Dazu gesellen sich die Sorgen um zu teure KI-Bewertungen. Der europäische Tech-Branchenindex gab erneut ein halbes Prozent nach. Unter die Räder gerieten Software-Aktien wie Dax-Schwergewicht SAP. Aus den Depots flogen auch Atoss Software, die trotz erhöhter Margenprognose um 6,6 Prozent abbröckelten.
Der französische Luxuskonzern Kering bricht um zwölf Prozent ein* - die Marke Gucci enttäuschte im dritten Quartal. Gegen den Trend legt Holcim um fünf Prozent zu nach starken Zahlen und angehobener Prognose.
Am Anleihemarkt wartet alles auf das Moody's-Urteil zu Frankreich am Abend. Das Land wird derzeit mit Aa3 und negativem Ausblick bewertet - ein Downgrade würde Staatsanleihen, Euro und Banksektor zusätzlich unter Druck setzen.
"Gewaltige Maschinerie": IG Metall stellt VW Ultimatum - und droht mit Arbeitskampf
Im Ringen um härterer Sparmaßnahmen bei VW erhöht die IG Metall den Druck - und setzt dem Vorstand ein Ultimatum. Die Gewerkschaft verlangt, die Kündigung einer Reihe von Tarifverträgen bis Ende Oktober rückgängig zu machen. "Eine Kündigung, die man übermittelt hat, kann man auch zurücknehmen", sagte der niedersächsische IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger in Hannover. Falls das nicht geschehe, warnte er, rolle "eine gewaltige Maschinerie", die den Arbeitskampf bei Volkswagen vorbereite. "Wir suchen den Konflikt nicht, aber wir sind vorbereitet."
"Licht am Horizont": Dickstes Auftragsplus für die Baubranche seit 35 Jahren
Aufatmen in der deutschen Bauwirtschaft: Das Neugeschäft ist im August so stark gestiegen wie noch nie seit Beginn der Statistik. Der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe wuchs laut Statistischem Bundesamt um 23,0 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Bedingt durch mehrere Großaufträge war dies der höchste saisonbereinigte Anstieg zum Vormonat seit *eginn der Zeitreihe im Jahr 1991. Auch im weniger schwankungsanfälligen Dreimonatsvergleich zeigt sich der Trend: Von Juni bis August lag der Auftragseingang um 7,6 Prozent über dem Niveau der drei Monate zuvor.
"Wir sehen endlich Licht am Horizont", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes, Tim-Oliver Müller. Er verwies auf Großprojekte etwa im Bahnbau, aber auch im Wohnungsbau. Es dauere noch, bis die Projekte im Umsatz ankommen - für das vierte Quartal und vor allem für das kommende Jahr sei das aber eine gute Nachricht.
Treiber war vor allem der Tiefbau, der von staatlichen Aufträgen etwa für den Straßenbau geprägt ist - dort gab es ein Plus von 31,6 Prozent. Der Hochbau, zu dem auch der Wohnungsbau gehört, legte um 12,4 Prozent zu. Die Branche hofft auf das Sondervermögen für Infrastruktur der Bundesregierung - in der Breite kämen die Mittel daraus bislang aber kaum an, so die Verbände. Auch der Umsatz legte zu: Er stieg im August um 10,1 Prozent zum Vorjahresmonat auf 10,9 Milliarden Euro. Inflationsbereinigt bleibt ein Plus von 4,9 Prozent. Die Zahl der Beschäftigten nahm um 1,5 Prozent auf rund 548.000 zu.
Ungewöhnlich: Aktien fallen - und Gold auch? Was ist da los?
Gold gilt oft als Gegengewicht zu fallenden Aktien und als sicherer Hafen. Doch derzeit geraten beide unter Druck. Was steckt hinter diesem ungewöhnlichen Gleichlauf? Und sagt er etwas über die Nervosität an den Märkten aus? ntv-Börsenreporter Frank Meyer ordnet ein.
Deutsche Wirtschaft verliert Tempo - aber Industrie wächst unerwartet stark
Auch die Wirtschaft in Deutschland hat zuletzt an Schwung eingebüßt. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft - Industrie und Dienstleister zusammen - sank im Oktober stärker als erwartet um 1,0 Punkte auf 52,8 Zähler, wie der Finanzdienstleister S&P Global zu seiner monatlichen Unternehmensumfrage mitteilte. Das Barometer bleibt aber dennoch deutlich über der Marke von 50, ab der es Wachstum signalisiert. Ökonomen hatten nur mit einem Rückgang auf 53,3 Punkte gerechnet.
Während sich das Wachstum im Servicesektor verlangsamte, legte die Industrie zu. Der Index der Dienstleister fiel überraschend deutlich auf 51,7 Zähler, nach 52,9 Punkten im September. Das Barometer für das Verarbeitende Gewerbe kletterte um 0,3 auf 54,2 Punkte, obwohl Fachleute hier einen Rückgang auf 53,5 erwartet hatten. Der Anstieg der Wirtschaftsleistung sei erfreulich, sagte Phil Smith, Ökonom bei S&P Global Market Intelligence. "Nichtsdestotrotz machte die Abschwächung des Wachstums deutlich, dass die Erholung in der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone nach wie vor fragil ist."
Euro fällt nach schwachen französischen PMI-Daten
Der Euro ist gegenüber dem Dollar weiter gefallen, nachdem die jüngste Umfrage zum französischen Einkaufsmanagerindex schlechter als erwartet ausgefallen ist. Der Euro fällt nach den Daten um 0,2 Prozent auf einen Tagestiefststand von 1,1193 US-Dollar, verglichen mit 1,1204 US-Dollar zuvor.
Nur ein Vorgeschmack auf das, was noch kommt?: Frankreichs Wirtschaft schmiert ab
Paukenschlag aus Frankreich: Die Konjunktur im Nachbarland ist im Oktober überraschend deutlich eingebrochen. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft – Industrie und Dienstleister zusammen – fiel laut S&P Global von 51,1 Zählern im September auf 48,4 Punkte. Damit liegt das Barometer wieder unter der Marke von 50 und signalisiert eine schrumpfende Wirtschaft. Ökonomen hatten lediglich mit einem Rückgang auf 50,5 Punkte gerechnet.
"Die Konjunkturerholung im September erwies sich als kurzlebig", sagte Ökonom Joe Hayes von S&P Global Market Intelligence. Angesichts der raschen Verschärfung der finanziellen Bedingungen und des zunehmenden politischen Drucks überrasche das kaum. Das Land kommt nicht zur Ruhe: Am vergangenen Wochenende kam es bei landesweiten Protesten gegen hohe Lebenshaltungskosten zu Straßenschlachten und Plünderungen. Für Samstag haben Studenten und Gelbwesten zu neuen Demonstrationen aufgerufen. Hinzu kommt eine Haushaltskrise: Die Rendite für zehnjährige französische Staatsanleihen stieg diese Woche über die Marke von fünf Prozent – der höchste Stand seit 24 Jahren. Hintergrund ist der Versuch der geschwächten Regierung, einen Etat durchs Parlament zu bringen.
Der Stimmungsindikator für die kommenden zwölf Monate fiel auf den niedrigsten Stand seit sechseinhalb Jahren. Hayes sagt dazu: "Die Oktober-Zahlen könnten ein Vorgeschmack auf das sein, was noch kommt."
Minus 26 Prozent: Volvo-Car-Aktien brechen ein
Die Aktien von Volvo Car brechen ein, nachdem der Autohersteller angekündigt hatte, im Rahmen eines erweiterten Sanierungsplans weitere 2500 Arbeitsplätze abzubauen. Dies entspricht etwa sechs Prozent seiner Belegschaft. Angesichts sich verschlechternder Marktbedingungen strebt das Unternehmen damit Einsparungen in Höhe von 500 Millionen US-Dollar an.
Die in Stockholm notierten Aktien verzeichneten im frühen Handel einen Rückgang von 26 Prozent.
Der schwedische Autobauer, der sich im Mehrheitsbesitz der chinesischen Zhejiang Geely Holding Group befindet, teilte mit, dass das operative Umfeld aufgrund starker externer Herausforderungen schwierig bleibe. Die langfristige Strategie sei zwar richtig, kurzfristig müsse jedoch mehr getan werden.
Volvo Cars will durch den Stellenabbau, von dem 2000 Arbeitsplätze in Schweden betroffen sind, zusätzlich zu früheren Sparmaßnahmen die Kosten um 5,0 Milliarden schwedische Kronen (504,5 Millionen Dollar) senken. Dies soll vor allem durch die Beendigung von Beraterverträgen, natürliche Fluktuation und gezielte Abfindungsprogramme für Mitarbeiter geschehen.
Im Mai 2025 hatte der Autobauer angekündigt, 3000 Stellen streichen zu wollen, um Einsparungen in Höhe von 18 Milliarden schwedischen Kronen zu erzielen. "Angesichts der stark unter Druck stehenden Absatzzahlen müssen wir unseren Sanierungsplan durch zusätzliche entschlossene Maßnahmen verstärken, unsere Gewinnschwelle senken und die Cashflows verbessern, um uns widerstandsfähiger zu machen", sagte Vorstandsvorsitzender Hakan Samuelsson.
Gucci strauchelt in China und belastet Luxuskonzern
Gucci zeigt nach Einschätzung von Analysten der Deutschen Bank noch keine überzeugenden Anzeichen einer Stabilisierung. Die geschichtsträchtige Modemarke, die für den französischen Luxuskonzern Kering von zentraler Bedeutung ist, verbuchte im dritten Quartal einen bereinigten Umsatzrückgang von 6 Prozent, was das Gesamtergebnis von Kering belastete. Als Grund nennt das Unternehmen die niedrige Kundenzahl in den chinesischen Geschäften. Der währungsbereinigte Umsatz des Gesamtkonzerns ging um ein Prozent zurück.
Heineken warnt Pubs vor Umsatzrückgang durch Abnehmspritzen
Der niederländische Brauereikonzern Heineken hat britische Pubs und Bars vor den wirtschaftlichen Folgen des Booms von Abnehmspritzen gewarnt. Diese sogenannten GLP-1-Präparate erhöhten das Sättigungsgefühl und verringerten das Verlangen nach Alkohol, hieß es in einer Präsentation, die das Unternehmen im Oktober an Kunden aus der britischen Gastronomie verschickte. Die Warnung ist ein seltenes Eingeständnis eines großen Alkoholherstellers, dass Mittel wie Ozempic oder Wegovy von Novo Nordisk den Absatz belasten können.
Dax startet mit Verlusten
Nach dem Kursrutsch an der Nasdaq kommt auch bei deutschen Aktien kein Kaufinteresse auf. Der Dax knüpfte im frühen Handel mit einem Minus von einem halben Prozent auf 25.255 Punkte an seine Vortagsverluste an. Das Wochenminus weitete sich auf 1,4 Prozent aus. Der MDax gab zum Handelsauftakt um 0,2 Prozent auf 30.039 Zähler nach.
Audi plant eigenes Werk in den USA
Die Volkswagen-Tochter Audi ist dem "Handelsblatt" zufolge in fortgeschrittenen Planungen für das erste eigene Werk in den USA. Die Zeitung berichtet unter Berufung auf Konzern- und Managementkreise, Audi könnte eine Fahrzeugfertigung im Bundesstaat Georgia aufbauen. Wie die Zeitung schreibt, reisten Audi-Chef Gernot Döllner und Aufsichtsratschef Manfred Döss am Dienstag nach Washington.
Rekordplus bei neuen Aufträgen für Bauindustrie
Die deutsche Bauwirtschaft hat im August ein Rekordplus im Neugeschäft erzielt. Der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe wuchs um 23,0 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. "Bedingt durch mehrere Großaufträge war dies der höchste saisonbereinigte Anstieg zum Vormonat im Bauhauptgewerbe seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1991", heißt es dazu. Im weniger schwankungsanfälligen Dreimonatsvergleich zeigt sich ebenfalls ein deutlicher Anstieg: Von Juni bis August lag der Auftragseingang um 7,6 Prozent über dem Niveau der drei Monate zuvor.
Volvo streicht Tausende Jobs
Der schwedische Autobauer Volvo Cars ist im dritten Quartal in die roten Zahlen gerutscht und streicht rund 2500 Arbeitsplätze. Das mehrheitlich zum chinesischen Konzern Geely gehörende Unternehmen verzeichnete einen bereinigten operativen Verlust von 3,7 Milliarden schwedischen Kronen, umgerechnet rund 333 Millionen Euro, wie Volvo mitteilt. Im Vorjahreszeitraum hatte noch ein Gewinn von 5,8 Milliarden Kronen in den Büchern gestanden. Als Grund für den Einbruch nennt der Konzern den schleppenden Produktionsanlauf des neuen Elektro-SUV EX60 sowie eine schwache Nachfrage in China und den USA.
Trump lässt Zollkeule bei Windkraft vorerst im Köcher
US-Präsident Donald Trump hat den Import von Windkraftanlagen und deren Bauteilen als Bedrohung für die nationale Sicherheit eingestuft. Er verzichtete jedoch vorerst auf neue Handelsbeschränkungen wie Zölle. Stattdessen wies er Handelsvertreter an, Verhandlungen mit den Partnerländern aufzunehmen und innerhalb von 180 Tagen Bericht zu erstatten. Weitere Maßnahmen könnten später folgen, teilte das Weiße Haus mit. Zu den wichtigsten Lieferanten von Windkraftanlagen und Komponenten für die USA gehören neben Mexiko und Indien auch europäische Länder wie Deutschland, Dänemark und Frankreich.
Moderna/Merck-Impfstoff senkt Hautkrebs-Sterberisiko - Aktie bricht dennoch ein
Der von den beiden US-Firmen Moderna und Merck entwickelte mRNA-Krebsimpfstoff senkt einer Studie zufolge in Kombination mit einer bewährten Immuntherapie das Sterbe- und Rückfallrisiko bei schwarzem Hautkrebs (Melanom) deutlich. Die Behandlung verringere dieses Risiko um 42 Prozent, teilten beide Firmen mit. Die Untersuchung ist die erste, die die Wirksamkeit eines personalisierten Ansatzes belegt.
Moderna-Aktien hatten im August vor Bekanntwerden der Studie bei rund 63 Dollar notiert und dann binnen eines Tages 177 Prozent zugelegt. In den Wochen danach kletterte der Kurs weiter und lag zuletzt bei rund 245 Dollar. Nach Bekanntwerden der Details zu dem verringerten Risiko sackten die Papiere gleichwohl um bis zu 25 Prozent auf 181 Dollar ab.
Dax dürfte im Minus starten
Der Dax wird der Kursentwicklung an den Terminmärkten zufolge mit Verlusten in den Handel starten. Sorgen über den Technologiesektor, negativ aufgenommene Konzernbilanzen und steigende Ölpreise hatten die Anleger am Donnerstag verunsichert und den Index 1,1 Prozent niedriger bei 25.371 Punkten schließen lassen. An den US-Börsen setzte sich der Ausverkauf bei Tech-Aktien fort. Die Erleichterung nach starken Quartalszahlen von US-Technologiefirmen wie Meta und SpaceX verpuffte schnell, da die hohen Kosten für KI wieder in den Fokus der Anleger rückten. Auf die Stimmung drückten zudem erneute Turbulenzen am französischen Anleihemarkt.
VW will Pick-ups notfalls allein produzieren
Volkswagen hat sich einem Bericht zufolge auf einen möglichen Alleingang beim Bau einer neuen US-Pick-up-Plattform vorbereitet. Das Unternehmen werde diesen Weg bei einem Scheitern der Gespräche mit Ford oder anderen Autobauern einschlagen, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Aussagen von Führungskräften. Eine endgültige Entscheidung falle bis Ende des Jahres. Konzernchef Oliver Blume sieht in Nordamerika eine der größten verbleibenden Wachstumschancen für VW. Dies gilt insbesondere für robuste SUVs und Pick-ups. Das Unternehmen ist in diesen Segmenten bislang kaum vertreten.
Mercedes entwickelt neues Produktions-Prinzip
Mercedes-Benz will die nächste Fahrzeug-Generation nach einem neuen Prinzip fertigen. Mercedes arbeitet, so erfuhr das "Handelsblatt" aus dem Umfeld des Aufsichtsrats, gerade an der Produktarchitektur der nächsten Modellgeneration, die in den 2030er-Jahren auf den Markt kommen wird. Statt die Fahrzeuge wie bislang auf verschiedenen Produktionsplattformen zu bauen, will Mercedes künftig modularer fertigen. Der Konzern wolle auf ein Baukastenprinzip setzen, bei dem Front-, Heck-, Seiten- und Bodenteile in separate Module zerlegt und je nach Fahrzeuggröße entsprechend gefertigt werden können.
Tech-Ausverkauf und Zinssorgen belasten Börsen in Asien
Ein massiver Ausverkauf bei US-Technologiewerten und geopolitische Spannungen haben die asiatischen Aktienmärkte ins Minus gedrückt. In Tokio gab der Nikkei-Index 1,7 Prozent auf 61.825 Punkte nach, und der breiter gefasste Topix notierte 1,8 Prozent niedriger bei 3.925 Zählern. Die Börse Shanghai verlor 1,5 Prozent auf 3.605 Stellen.
Lippenstift-Effekt beflügelt L'Oreal-Umsatz
Die starke Nachfrage nach Luxusparfüms sowie Haut- und Haarpflegeprodukten hat das Geschäft des französischen Kosmetikkonzerns L'Oreal angekurbelt. Der um Währungseffekte bereinigte Umsatz sei im dritten Quartal um 7,7 Prozent auf 11,56 Milliarden Euro gestiegen, teilte das Unternehmen mit. Besonders in China und den Schwellenländern verzeichnete der Hersteller von CeraVe-Cremes und Prada-Parfüms Zuwächse.
Analysten und Manager verweisen auf den sogenannten Lippenstift-Effekt, bei dem sich Verbraucher in wirtschaftlich unsicheren Zeiten erschwinglichen Luxus gönnen. L'Oreal profitierte zudem von neuen Produkten wie Premium-Shampoos der Marke Kerastase und Sonnenschutzmitteln von La Roche-Posay. Darüber hinaus nimmt der Konzern gezielt Kunden ins Visier, die Abnehmspritzen nutzen, und bewirbt Produkte gegen Begleiterscheinungen wie erschlaffende Gesichtshaut.
PMI, VW und Krisengipfel: Kriegt der Dax die Kurve?
Der deutsche Aktienmarkt hat den Handel am Vortag mit deutlichen Verlusten beendet. Der Dax schloss bei 25.371 Punkten und damit rund 1,0 Prozent im Minus. Das Motto des Tages lautete "Sell on Good News". Selbst gute Zahlen konnten den Dax nicht retten. Im Fokus standen Tech-Sorgen wegen durchwachsen ausgefallener Quartalszahlen von US-Technologieunternehmen und die Geopolitik mit einem Ölpreis von wieder mehr als 111 Dollar.
Und worauf schauen Börsianer am letzten Handelstag der Woche?
Nach den Verlusten am Vortag entscheiden vor allem drei Termine über die Kurve beim Dax. Bereits am frühen Morgen wird der wichtigste Konjunkturtermin des Tages erwartet: der Einkaufsmanagerindex. Aufgrund der hohen Ölpreise dürfte sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft im Oktober eingetrübt haben. Der Index für die Privatwirtschaft – Industrie und Dienstleister zusammen – dürfte um 0,5 Zähler auf 53,3 Punkte sinken. Damit läge das Barometer aber weiterhin deutlich über der Marke von 50 Punkten, ab der es Wachstum signalisiert. Für die Eurozone wird ein ähnlicher Rückgang erwartet.
In Hannover kommen außerdem die IG Metall und die VW-Arbeitgeberseite zum zweiten Überprüfungsgespräch zum Zukunftstarifvertrag von 2024 zusammen. Vor Beginn wollen der Verhandlungsführer Thorsten Gröger und die Betriebsratschefin Daniela Cavallo Stellung nehmen. VW will das Tarifniveau und damit die Produktionskosten senken. Die Gewerkschaft erwartet Aussagen zu Investitionen und zur Zukunft der deutschen Standorte. Im Zuge der Sanierung stehen bis zu 60.000 Arbeitsplätze und vier Werke auf dem Spiel.
Ebenfalls im Fokus steht ein Krisengipfel in Istanbul. Der türkische Außenminister Hakan Fidan empfängt seine Amtskollegen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Ägypten, Pakistan und Saudi-Arabien. Es ist das erste Treffen in diesem Format, das auf Initiative der Türkei organisiert wurde. Themen sind die Kriege im Jemen und in der Ukraine, an denen der Iran beteiligt ist, sowie die dadurch gefährdeten Schifffahrtswege und regionale Sicherheit. Für den Ölpreis ist dies ein entscheidender Termin.




