Berlin & BrandenburgPersonalmangel und Überlastung in Berliner Jugendämtern

Jugendämter unterstützen Familien im Alltag und müssen auch bei Gewalt oder Vernachlässigung handeln. Doch in Berlin ist deren Belastung hoch. Wie hoch, zeigen neue Zahlen.
Berlin (dpa/bb) - Die Berliner Jugendämter leiden an Personalmangel und hoher Arbeitsbelastung. Das geht aus einer Antwort der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie auf eine parlamentarische Anfrage der SPD hervor. Demnach waren Ende vergangenen Jahres genau 421 von 4.180 Vollzeitstellen nicht besetzt - also ein Zehntel.
Statistisch bearbeitet eine Fachkraft im regionalen sozialpädagogischen Dienst der Ämter im Landesdurchschnitt etwa 30 Fälle pro Monat. In Pankow waren es sogar mehr als 35, in Mitte und Steglitz-Zehlendorf gut 33. Zum Vergleich: Empfohlen werden 27 Fälle pro Fachkraft.
Viele Überlastungsanzeigen
Infolge dieser Situation steigt die Zahl sogenannter Überlastungsanzeigen seit Jahren an, so auch 2026: In den ersten neun Monaten dieses Jahres meldeten die Jugendämter der Bezirke 176 solcher Anzeigen, das waren bereits mehr als im Gesamtjahr 2025, als 154 zusammenkamen.
Beschäftigte schreiben Überlastungsanzeigen an die Amtsleitung, wenn sie ihre Aufgaben wegen extremer Überlastung, Personalmangels oder zu vieler Fälle nicht mehr erfüllen können.
Die Jugendämter der Berliner Bezirke haben ein breites Spektrum von Aufgaben zu erfüllen, um junge Menschen und Familien zu unterstützen. Dazu zählen Hilfen rund um Geburt oder Kita oder die Gewährung finanzieller Leistungen wie Unterhaltsvorschuss oder Elterngeld. Auch in familiären Krisensituationen, bei Gewalt gegen Kinder oder deren Vernachlässigung sind die Jugendämter gefragt. Als zentrale Anlaufpunkte in den Bezirken dienen sogenannte Familienservicebüros.