Mecklenburg-VorpommernAOK: Immer mehr Fehltage im Job wegen psychischer Erkrankung

Psychisch bedingte Fehlzeiten von Beschäftigten sind laut einer AOK-Analyse deutlich gestiegen. Besonders hoch sind sie in Callcentern und Pflegeberufen.
Schwerin (dpa/mv) - Depressionen und andere psychische Erkrankungen sorgen für immer längere Personalausfälle in den Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern. Durchschnittlich entfielen im vergangenen Jahr 497 Fehltage wegen psychischer Erkrankungen auf 100 AOK-versicherte Beschäftigte – vor zehn Jahren waren es noch 314 Fehltage, wie die Krankenkasse mitteilte. Das sei ein Anstieg um 58 Prozent. Erstellt wurde der "Fehlzeiten-Report" vom Wissenschaftlichen Institut der AOK.
Am häufigsten gehe es etwa um Reaktionen auf schwere Belastungen, depressive Episoden oder Angststörungen. Eine Krankschreibung dauerte durchschnittlich 29 Tage – also deutlich länger, als bei anderen Erkrankungen. Bei Atemwegserkrankungen dauerte sie im Schnitt lediglich sieben Tage. Insgesamt war laut AOK fast jeder fünfte Fehltag psychisch bedingt.
Über alle Erkrankungen hinweg fehlten Arbeitnehmer 2025 im Schnitt 27,5 Tage im Job, im Vorjahr waren es 28,1 Tage. "Hinter langen Fehlzeiten stehen Menschen, die Unterstützung brauchen", sagte die Leiterin des betrieblichen Gesundheitsmanagements bei der AOK Nordost, Anke Jurchen. Wer psychischen Erkrankungen vorbeugen wolle, müsse auch belastende Arbeitsbedingungen verändern.
Besonders viele Fälle in Callcentern
Die meisten Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen (44,3 pro 100 AOK-versicherte Beschäftigte) gab es demnach in Callcentern. Aber auch im Kundenmanagement (33,8), in der Fachkrankenpflege (31,2), in der Altenpflege (29,5) sowie in medizinisch-technischen Berufen im Labor (29,4) seien Arbeitnehmer überdurchschnittlich oft krankgeschrieben gewesen. Im Schnitt aller Berufe waren es 17,4 Krankschreibungen pro 100 Beschäftigte.
Die AOK wies darauf hin, dass steigende Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen nicht automatisch bedeuten, dass diese in der Bevölkerung im gleichen Umfang zunehmen. Ein Teil des Anstiegs sei damit zu erklären, dass psychische Erkrankungen heute besser erkannt, offener angesprochen und häufiger behandelt werden, hieß es.