Nordrhein-WestfalenMehr als buntes Laub: Wo NRW im Herbst besonders fotogen ist

Kamera oder Smartphone für die herbstliche Foto-Safari sind bereit, doch das Ziel fehlt noch? Diese fünf Orte in NRW bieten reichlich Möglichkeiten. Die Motive reichen vom Hirsch bis zum Hochofen.
Xanten/Haltern/Horn-Bad Meinberg (dpa/lnw) - Langsam ist es nicht mehr zu leugnen: Der Herbst hält Einzug. Es wird kälter, nasser und windiger. Doch wer gerne draußen unterwegs ist und nach besonderen Fotomotiven sucht, entdeckt gerade jetzt die schönen Seiten der Jahreszeit: buntes Laub, tief stehendes Licht und morgendlichen Nebel über Wiesen und Gewässern, tierische Naturspektakel.
Unsere kleine Auswahl führt zu fünf Plätzen in Nordrhein-Westfalen, die nicht nur fotogen sind, sondern jeweils ihre ganz eigene Herbstgeschichte erzählen.
Auenland am Niederrhein: Wo Vögel Quartier suchen
Wo Wasser auf Wald und Wiesen trifft, setzt der Herbst die Natur oft besonders schön in Szene. Wenn man dann noch auf Scharen von Zugvögeln hoffen kann, ist das Fotopanorama perfekt. Die Bislicher Insel bei Xanten am Niederrhein ist eine solche natürliche Auenlandschaft.
In der kalten Jahreszeit wird sie zum Winterquartier für mehrere Tausend Arktische Gänse. Zwischen Mitte und Ende September werden die ersten Bläss- und Weißwangengänse erwartet. "Die schönste Zeit für den Herbst auf der Bislicher Insel ist der frühe Morgen. Wenn die Sonne aufgeht und der Nebel über den Wiesen steht, das ist wunderschön", schwärmt Ilka Weidig, Leiterin des RVR-Naturforums Bislicher Insel.
Neben den vielen Vögeln, die sich bald in dem Naturschutzgebiet niederlassen, ist der Herbst auch eine gute Jahreszeit, Spuren eines weiteren tierischen Bewohners der Auen zu entdecken: angenagte Rinden, abgebissene Äste und gefällte Bäumchen, die der Biber hinterlässt.
Wo ein tierischer Herbstklassiker vor die Linse kommt
Der röhrende Hirsch im bunten Wald ist ein fast schon zum Klischee gewordener Klassiker unter den Herbstmotiven. Im Wildwald Vosswinkel bei Arnsberg im Sauerland lässt sich das Kalenderbild jedoch vergleichsweise unkompliziert selbst erleben - und mit ein bisschen Geduld und passendem Objektiv auch selbst aufnehmen. Wenn in diesen Tagen die Brunftzeit in dem umzäunten Hirschrevier beginnt, stehen die Chancen gut, die röhrenden Rothirsche nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen.
Besonders zur Morgen- oder Abenddämmerung sind die Tiere aktiv. Im Wildwald leben sie auf einem weitläufigen Areal, das Besucher auf einem 4,5 Kilometer langen Rundweg selbst erkunden können. Mehrere Besuchskanzeln versprechen beste Aussicht auf die große Wildwiese, wo Naturfreunde das Werben und Kämpfen der Hirsche am Besten beobachten können. Der Wildwald kann auf eigene Faust oder bei einer Führung erkundet werden.
Ein Hauch von Küste: Mini-Dünen und Heide mitten in NRW
Bei Haltern und damit zwischen Ruhrgebiet und Münsterland gelegen liegt ein kleiner Naturschatz, der im Herbst in besonderen Farben zu leuchten beginnt: Wer in der Westruper Heide unterwegs ist, kann anderen auf Fotos durchaus vorgaukeln, für einen Kurztrip Richtung Küste gefahren zu sein.
Zwar fehlen das Meer und der Strand, aber sandige Wege und kleine Hügel ähneln einer Dünenlandschaft. Sich langsam von violett zu rostrot verfärbende Heidekräuter auf offenen Flächen und knorrige Wacholderbüsche verleihen dem Naturschutzgebiet nahe des Halterner Stausees einen Hauch von Küstenfeeling. Auf vier ausgeschilderten Themenwegen mit einer Länge von drei bis vier Kilometern ist die Heide leicht zu Fuß zu erkunden.
Sagenumwoben und im Herbst besonders mystisch: Externsteine
Zugegeben: Ein Geheimtipp sind die Externsteine bei Horn-Bad Meinberg in Lippe nie gewesen. Jährlich zieht es rund eine halbe Million Menschen zu der rund 40 Meter hoch aufragenden Felsformation im Teutoburger Wald. Doch gerade im Herbst lohnt ein Besuch des Ortes, um den sich zahlreiche Mythen und Sagen ranken. Im Herbst bietet der Landschaftsverband Lippe auch thematische Führungen an, etwa eine Märchen- und Sagenführung oder eine Abendführung zur Goldenen Stunde.
Künstlich angelegte Grotten oder ein im Mittelalter in Fels geschlagenes Relief mit christlichem Motiv zeugen davon, dass die Steine für Menschen früherer Jahrhunderte mehr waren als nur ein paar Felsen. Später deuteten die Nationalsozialisten die Externsteine als vermeintlich germanische Kultstätte und nutzten diese Deutung für ihre Propaganda - bis heute versuchen rechtsextreme und völkische Gruppen, den Ort für ihre Zwecke zu vereinnahmen. Archäologische Belege für ein keltisches oder germanisches Heiligtum gibt es nicht.
Einen Fotospaziergang muss die wechselvolle Geschichte nicht trüben. Der Landesverband Lippe, dem das Areal gehört, erlaubt das Fotografieren ohne vorherige Genehmigung zu privaten Zwecken.
Das etwas andere Herbstbild: Natur zwischen Rost und Stahl
Herbstromantik muss sich nicht immer mit Nebenschwaden und buntem Blätterwald verbinden. Im Landschaftspark Duisburg-Nord entsteht sie zwischen rostigen Stahlträgern, alten Rohrleitungen und stillgelegten Industrieanlagen, die sich die Natur Stück für Stück zurückerobert.
Auf dem Gelände des früheren Meidericher Hüttenwerks wurde bis 1985 noch Roheisen produziert, heute ist der Landschaftspark ein beliebtes Freizeitziel im Ruhrgebiet. Wenn die tief stehende Sonne den Hochofen in kontrastreiches Licht taucht, setzen Herbstlaub, Gräser und verblühte Pflanzen Farbakzente zwischen Hochofen, Erzbunkern und Gleisen.
Wer mit Kamera oder Smartphone unterwegs ist, findet hier Motive für ganz unterschiedliche Lichtstimmungen: die von Pflanzen überwucherten Relikte der Industrie im Tageslicht, geometrische Linien und Spiegelungen nach einem Regenschauer oder die Silhouette des Hochofens gegen den Abendhimmel. So wird aus dem ehemaligen Hüttenwerk ein eher ungewöhnlicher Herbst-Fotospot: nicht trotz, sondern gerade wegen seiner spröden, industriellen Kulisse.