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Sachsen-AnhaltVom Kinderwagen auf den Präsidentensessel

07.11.2026, 06:32 Uhr
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Till Mormann war gerade 18 Tage alt, als er eine Karnevalseröffnung miterlebte. Heute führt der 27-Jährige die Köthener Karnevalsgesellschaft. Vater Ronald und Bruder Dennis sind ebenfalls dabei.

Köthen (dpa/sa) - Bei den Mormanns gehört der Karneval zum Familienleben wie bei anderen das Weihnachtsfest. Till Mormann war gerade einmal 18 Tage alt, als ihn sein Vater Ronald am 11. November 1999 zur Sessionseröffnung auf den Köthener Marktplatz mitnahm. Im Kinderwagen, direkt neben den Lautsprecherboxen - natürlich mit Gehörschutz-Kopfhörern, wie sich der Vater erinnert.

Nachfolger kommt aus der Familie

Heute, 27 Jahre später, steht Till Mormann als achter Präsident seit der Gründung der 1. Köthener Karnevalsgesellschaft KUKAKÖ im Jahr 1954 selbst an der Spitze. Er ist der jüngste Präsident in der Familiengeschichte, aber längst kein Neuling im närrischen Treiben. "Ihm wurde die Begeisterung für den Karneval praktisch in die Wiege gelegt", sagt sein Vater Ronald.

Till Mormann kennt den Verein nicht nur aus Erzählungen, sondern hat seine Entwicklung von klein auf miterlebt. "Dabei geht es nicht allein darum, eine Tradition fortzuführen. Die neue Generation muss den Verein auch in die Zukunft führen und neue Mitglieder für den Karneval begeistern", sagt Till über sein Spitzenamt.

Auch Tills älterer Bruder Dennis ist seit seiner Kindheit im Verein aktiv. Schon 1995, als kleines Kind, wurde er Kinderprinz. Heute organisiert er als Zugleiter den Rosenmontagsumzug durch die Köthener Innenstadt. Zudem tanzt er seit Jahren im Männerballett.

Mormanns prägen das Vereinsleben

Damit prägen gleich mehrere Generationen der Familie das Vereinsleben. Ronald Mormann gehörte zu den Männern, die den Köthener Karneval nach der Wende wiederbelebten. Am 29. Februar 1992 fand die öffentliche Gründungsprunksitzung statt, am 7. März wurde der Verein offiziell gegründet. Ronald Mormann übernahm das Präsidentenamt für 20 Jahre.

In diesen Jahren entwickelte sich die Gesellschaft zu einem wichtigen Veranstalter des Karnevals in Sachsen-Anhalt. "Anfangs haben wir die Abkürzung KUKAKÖ mit Kuh-Kaff-Köthen verbunden, weil der Ort im 19. Jahrhundert ein wichtiger Vieh-Handelsplatz war. Heute bedeutet das Kultur und Karneval Köthen, weil wir mehr organisieren wie die Stadtfeste und die Programme in den Altenheimen der Region."

Begeisterung für den Karneval wurde vorgelebt

Die Begeisterung für die fünfte Jahreszeit begann bei Ronald Mormann schon in seiner eigenen Kindheit. "Früher haben wir zu Hause immer mit der ganzen Familie vor dem Fernseher gesessen und "Mainz bleibt Mainz - wie es singt und lacht" geschaut. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht", erzählt er. Auch seine Eltern seien karnevalsbegeistert gewesen und hätten ihren Kindern die Freude daran vorgelebt. Heute sind auch die Frauen der Kinder von Mormann beim Karneval dabei. Dazu gehören Bühnenauftritte als Cheerleaderin und in der Frauengruppe "Heckmeckgemsen".

Bundesverdienstkreuz und Karneval-Auszeichnungen

Ronald Mormann wurde für sein langjähriges ehrenamtliches und gesellschaftliches Engagement im August dieses Jahres mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt. Auch innerhalb des Karnevals gab es für den heutigen Senatspräsidenten mehrfache Auszeichnungen.

Vom Vater zum Sohn, vom Kinderwagen bis zum Präsidentenamt: Bei den Mormanns ist Karneval weit mehr als ein Hobby. Er ist Familientradition, ehrenamtliche Verpflichtung und ein Stück Köthener Lebensgeschichte.

Quelle: dpa

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