SachsenLehrerverband: Jahrgangsmix darf Lehrkräfte nicht ersetzen

Kleine Schulen im ländlichen Raum könnten mit Unterricht über mehrere Jahrgänge erhalten bleiben. Der Sächsische Lehrerverband warnt aber vor einer Lösung, die Lehrkräfte zusätzlich belastet.
Dresden (dpa/sn) - Unterricht über Jahrgänge und Klassen hinweg darf nach Ansicht des Sächsischen Lehrerverbandes die Kollegen nicht zusätzlich belasten. "Unter bestimmten Voraussetzungen können diese Unterrichtsformen eine sinnvolle Möglichkeit sein, wohnortnahe Bildungsangebote und insbesondere kleine Schulstandorte im ländlichen Raum zu erhalten", teilte der SLV mit. Sie dürften jedoch weder zur automatischen Folge sinkender Schülerzahlen noch zum Ersatz für fehlende Lehrkräfte werden.
"Neue Unterrichtsformen dürfen nicht dazu führen, dass die Beschäftigten zusätzliche Aufgaben ohne entsprechende Vorbereitung und personelle Unterstützung übernehmen müssen", stellte der Lehrerverband klar. "Pädagogische Belange müssen Vorrang vor finanzpolitischen Erwägungen haben", betonte Michael Jung.
Modell wird vor allem an kleinen Schulen im ländlichen Raum genutzt
Hintergrund ist ein Antrag der Koalitionsfraktionen von CDU und SPD, der am Abend im Landtag behandelt werden sollte. Er fordert von der Staatsregierung eine Bestandsaufnahme zu den bisherigen Angeboten an sächsischen Schulen sowie eine Weiterentwicklung der Unterrichtsformen. Vor allem an kleinen, ländlichen Grundschulen wird das Modell genutzt, um Standorte bei niedrigen Schülerzahlen zu erhalten. Dann haben etwa die Klassen 1 und 2 oder 3 und 4 gemeinsam Unterricht.
Personelle und organisatorische Rahmenbedingungen schaffen
"Jahrgangs- und klassenstufenübergreifender Unterricht stellt hohe Anforderungen an die Unterrichtsplanung, die individuelle Förderung und die didaktisch-methodische Gestaltung. Lehrkräfte müssen unterschiedlichen Lern- und Entwicklungsständen innerhalb einer Lerngruppe gerecht werden. Das erfordert zusätzliche Ressourcen und verlässliche Rahmenbedingungen", argumentiert der Lehrerverband.
Unverzichtbar sei außerdem eine verlässliche Doppelbesetzung durch zwei Lehrkräfte im Unterricht, hieß es. Er dürfe nicht dazu dienen, fehlende Lehrkräfte, fachfremden Einsatz oder eine unzureichende Unterrichtsversorgung zu kaschieren.