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HessenGunter Demnig, der Mann hinter den Stolpersteinen

28.10.2026, 15:21 Uhr
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Zehntausende Stolpersteine erinnern in Europa an Menschen, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Dahinter steckt ein Künstler, der seit Jahrzehnten unermüdlich Gedenkarbeit leistet.

Wiesbaden /Alsfeld (dpa/lhe) - Seinen ersten "Stolperstein" verlegte Gunter Demnig 1992 in Köln. Es folgten Zehntausende weitere dieser im Boden versenkten Gedenktafeln, die an die Wohnorte von Menschen erinnern, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden.

Die "Stolpersteine", die in mehr als 30 europäischen Ländern liegen, sind längst Lebenswerk des gebürtigen Berliners, der mittlerweile im mittelhessischen Alsfeld lebt. Für sein unermüdliches Schaffen wurde dem 79-Jährigen der erstmals ausgerufene hessische Verfassungspreis des Landtags in Wiesbaden zuerkannt - gemeinsam mit der Wissenschaftsjournalistin Mai-Thi Nguyen-Kim.

Demnig wurde 1947 in Berlin geboren und begann dort als junger Mann ein Kunststudium, später zog er nach Kassel und Köln. In der Domstadt am Rhein nahm die Aktion ihren Anfang.

Auslöser für die "Stolpersteine", so erinnerte sich Demnig viele Jahre später, war 1990 eine Kunstaktion in der Kölner Südstadt, die an die Deportation von Sinti und Roma durch die Nationalsozialisten erinnerte. Eine ältere Anwohnerin wollte ihn damals darauf aufmerksam machen, dass in ihrem Viertel nie Sinti und Roma gelebt hätten. Ein Irrtum, den Demnig mit historischen Belegen widerlegen konnte.

Erster Stolperstein wurde in Köln verlegt

Etwa zwei Jahre später verlegte Demnig in Köln den ersten "Stolperstein" - eine kleine, mit einer Messingplatte versehene Pflasterquader, die Namen sowie Geburts- und Todesdaten der NS-Opfer trägt und vor deren letztem frei gewähltem Wohnort ins Pflaster eingelassen wird. Die etwa zehn auf zehn Zentimeter großen und meist über Spenden finanzierten Gedenksteine sollen Passanten zum Innehalten und Nachdenken bringen. Das Beugen, um die Inschrift zu lesen, kann als symbolische Verbeugung vor den Opfern gesehen werden.

Aus der kleinen Kölner Aktion wurde das wohl "größte dezentrale Mahnmal der Welt", wie es der hessische Landtag kürzlich nannte. 2023 verlegten Demnig und sein inzwischen etwa 15-köpfiges Team in Nürnberg den 100.000 Stolperstein, aktuell sind es mehr als 125.000. Für sein Engagement wurde Demnig bereits mehrfach ausgezeichnet, darunter sind der Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz und der Arnold-Bode-Preis.

Das Erinnerungsprojekt war nie ganz unumstritten: Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, lehnte etwa die Stolpersteine 2014 im Münchner Stadtrat vehement ab, weshalb München bis heute keine Steine auf städtischem Grund zulässt und stattdessen "Erinnerungszeichen" verwendet.

Nicht ohne Widerstand

Demnig selbst erzählt kurz vor seinem 75. Geburtstag von Widerständen von Stadträten, Dezernenten und Immobilienbesitzern, die um den Wert ihrer Häuser fürchteten. Demnig erhielt Morddrohungen von Rechtsextremen, immer wieder wurden Steine beschmutzt oder sogar zerstört.

Die sächsische Stadt Heidenau bei Dresden beschloss Ende September auf gemeinsamen Antrag von CDU und AfD, künftig keine neuen Stolpersteine mehr im öffentlichen Straßenraum zuzulassen und das Gedenken stattdessen auf einen Friedhof zu verlegen. "Nach den Wahlerfolgen der AfD war es ja durchaus zu erwarten, dass so etwas passieren wird", sagte Deming, der häufig einen markanten Filzhut trägt.

Sein Antrieb ist auch, Jugendliche zu erreichen, wie er einmal erzählte. Geschichte werde für Schüler durch die Einzelschicksale plötzlich greifbar und nah. Einige starteten Recherchen über Verschleppte aus ihren Orten und sammeln Spenden. "Da weiß man einfach, warum man es macht", sagte Demnig.

Quelle: dpa

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