Rheinland-Pfalz & SaarlandWas die Top-Vereinsländer zu bieten haben

In Rheinland-Pfalz und im Saarland ist die Vereinsdichte besonders hoch. Und es gibt Kuriosa. Was sich hinter krumm & schepp und Jugger verbirgt.
Mainz/Saarbrücken (dpa/lrs) - Rheinland-Pfälzer und Saarländer sind Vereinsmeier: Nach einer neuen Studie des Forschungs- und Think-Tanks "Zivilgesellschaft in Zahlen" im Deutschen Stifterverband stehen die beiden Länder bei der Vereinsdichte bundesweit an der Spitze. Das Saarland nimmt mit 10,6 Vereinen pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner den ersten Platz ein, Rheinland-Pfalz mit 9,6 Vereinen den zweiten Platz.
In absoluten Zahlen heißt das: In Rheinland-Pfalz gibt es demnach 39.713 Vereine (März 2026). Im Saarland sind es 10.704. Das sind in beiden Ländern so viele wie noch nie: Im Vergleich zu vor zehn Jahren (2016) sind es in Rheinland-Pfalz 4,5 Prozent mehr geworden, im Saarland sind es 3,6 Prozent mehr.
Die größten Vereine in den Ländern sind Fußballvereine: der 1. FC Kaiserslautern und der 1. FSV Mainz sowie der 1. FC Saarbrücken und die SV Elversberg. Neben vielen Sport-, Musik- und Karnevalsvereinen gibt es einige ziemlich besondere Vereine. Hier ein paar Beispiele:
krumm & schepp
Der Verein in Mainz setzt sich gegen Lebensmittelverschwendung ein und gibt "krummen und scheppen" Lebensmitteln eine Chance. Die "Foodsaver:innen" sind seit Dezember 2024 mit einem Foodsharing-Café am Start. Dort kann man sich aus einem "Fairteilerschrank" kostenfrei gerettete Lebensmitteln nehmen - und sie auch direkt vor Ort im Café verzehren. Dazu gehören auch Backwaren.
"Wir bieten auch viel Bildungsarbeit an", sagt Katrin Marx, Gründungs- und Vorstandsmitglied des Vereins. Dazu gehören Workshops für Schüler, in denen es darum geht, wie lange Lebensmittel noch verzehrbar sind: "Worauf Kinder achten können und was Foodsharing und Foodsaving überhaupt ist." Geredet werde auch darüber, wie man Plastikverpackungen vermeiden könne.
Bei den Getränken im Café gebe es solidarisches Bezahlsystem: "Jeder kann so viel geben, wie er will", sagt Marx.
Freunde des Elvismuseum
Ein Verein, dessen Zweck ausdrücklich das Andenken an Elvis Presley und die 50er bis 70er Jahre ist: In dem Museum in Kircheib (Kreis Altenkirchen) gibt es mehr als 580 Exponate rund um Elvis Presley zu sehen, vom Barbershop aus dem hessischen Friedberg, in dem sich der "King" als US-Soldat regelmäßig frisieren ließ, über andere Militärexponate aus seiner deutschen Armeezeit bis hin zu Autogrammen und Konzertkarten.
"Mein persönliches Lieblingsstück ist ein Stück Teppichboden, das früher in der Villa Graceland lag", sagt Irma Maria Stanton vom Verein. Graceland ist ein Anwesen im Süden von Memphis in Tennessee - der Wohnsitz des US-amerikanischen Sängers und Musikers bis zu seinem Tod 1977.
Der Verein, der rund 75 Mitglieder zähle, habe auch junge Fans dabei. "Unser jüngstes Mitglied ist 19 Jahre alt", sagt Stanton. "Unsere Intention ist auch, dass man dieses Kulturgut auf die nachfolgenden Generationen überträgt." Nach ihren Angaben ist das Elvismuseum in ihrem Privathaus das einzige feste Museum zu Elvis in Deutschland.
Und täglich grüßt das Murmeltier e.V.
Der Verein unterstützt schwer und chronisch kranke Kinder und ihre Familien. Das Murmeltier im Namen steht für die Krankheit. "Bei mir war es Krebs. Er ist immer wieder gekommen", sagt Gründer Martin Cunow in Wörth am Rhein. Dem Verein gehe es darum, den Kindern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Man unterstütze über Spenden bei Hilfsmitteln, Therapien, Betreuung und Beratung. Zurzeit werde ein Dutzend Kinder unterstützt.
Deutsches Flippermuseum
Ein Verein für Flipperautomaten - mit einem Museum in Neuwied, das rund 150 Exponate von 1930 bis heute beherbergt, von denen fast alle bespielbar sind. Und im zweiten Stock befindet sich ein kleines Flipper-Themenhotel, in dem es in jedem Zimmer einen Flipper zum freien Spiel gibt. Das Museum feiert am 26. September sein 20-jähriges Bestehen.
"Wir sind ein Museum zum Anfassen: Man wirft in die Geräte eine Münze und erlebt sie dann wirklich ganzheitlich", sagt Axel Hillenbrand. Das Interesse an den Automaten sei da: Neben Familien kämen "Hardcore"- Interessierte, die sich für die Vielzahl der Flipper und die Nutzung als Sportgeräte interessierten.
1. Juggersportclub Saar-Pfalz
Jugger ist eine Mischung aus Handball, Rugby und Fechten. Mit gepolsterten "Pompfen" (Spielgeräte) wird gekämpft, während ein Spieler versucht, den "Jugg" (Spielball) in das gegnerische Tor zu bringen. Im Saarland gibt es mehrere Mannschaften beziehungsweise Gruppen.
Die noch junge Sportart sei definitiv auf dem Vormarsch, sagt Torsten Groß vom 1. Juggersportclub Saar-Pfalz im saarländischen Homburg. "Der Turnierkalender wird immer voller." Scherzhaft könne man auch sagen: "Es ist wie Fangen für Erwachsene".
Das Schöne an Jugger sei, dass man schnell Erfolgserlebnisse habe. "Es wird sehr schnell taktisch", sagt der Landesfachwart. Zudem brauche es keine Voraussetzung - jeder könne mitmachen. Ihr Verein zähle derzeit fast 40 Mitglieder.
Saarclowns
Sie besuchen Seniorenheime, Behinderteneinrichtungen und Kliniken im Saarland und sorgen dort für Unterhaltung und gute Laune. "Wir machen vor allem Musikclownerie und haben bekannte Lieder im Repertoire", sagt der 1. Vorsitzende Thomas Schug in Quierschied. Gut ankommen würden auch saarländische Lieder - etwa ein Song über Lyoner.
In den Heimen warteten die Bewohner oft schon vorfreudig, wenn sie kämen. "Sie kennen die Lieder dann und singen mit. Das ist eine sehr schöne Sache", sagt er. "Wir gehen auch zu den Leuten ins Zimmer, wenn jemand zum Beispiel bettlägerig ist." Gegründet wurde der Verein im November 2023 - derzeit sind zehn Clowns im Einsatz.
Buena Whisky Social Club
Gegründet wurde er 2020 zunächst von zehn Whiskyliebhabern - inzwischen zählt der Club 57 Mitglieder. "Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, die schottische Kultur - nicht nur die Trinkkultur - zu verbreiten", sagt Präsident Martin Schaus in Friedrichsthal. Man mache auch Musik und sei bei Festivals dabei. Ansonsten stehen Whiskyabende und Tastings auf dem Programm - auch mit sozialem Charakter. Der Erlös werde dann gespendet.